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Sarah Hardt: ‚So bringe ich mir den FS 540 bei‘

Angst überwinden, Technik erlernen, Fortschritte machen: MBM-Rider Sarah Hardt nimmt euch mit in die Halfpipe, wo sie aktuell den Frontside 540 übt.

Jahrelang auf dem gleichen Level zu versauern, ist frustrierend und demotivierend. Neue Moves zu lernen, an der eigenen Technik und dem Style zu feilen, ist hingegen das, was den Fun-Factor durch die Decke gehen lässt. Doch ist es gar nicht so einfach, sich an neue und größere Tricks heranzutrauen, wenn man auf sich alleine gestellt ist. Schließlich sind Angst und Ausreden vor sich selber einfacher zu rechtfertigen und auch die Technik lässt sich schwerer von dir selber beibringen als von einem Trainer.

Ich persönlich übe derzeit den Frontside 540 in der Halfpipe. Dieser Klassiker sollte meiner Meinung nach zum Grundrepertoire gehören und ist eine Rotation, auf der viele andere aufbauen. Außerdem möchte ich den Trick unbedingt draufhaben, weil er meine Runs auf das nächste Level heben würde. Ich konnte auch schon welche stehen, doch fehlen mir immer noch ein paar Dinge – zum Beispiel die Höhe –, um sagen zu können: „Ich kann ihn.“.

I got 99 Problems …

In der Halfpipe bin ich mein eigener Coach und mein eigener Motivator zugleich. Anders als im Park gibt es wesentlich weniger Snowboarder, die regelmäßig in der Halfpipe anzutreffen sind. Dementsprechend plane ich mein Training meist unabhängig von meinen Shredbuddies. Wenn es sich ergibt, stehen mir Freunde am Berg dennoch zur Seite und helfen mir bei Problemen oder dabei, Videos zur Videoanalyse für mich aufzunehmen.

Drop in. Foto: Eli-media

Sein eigener Coach zu sein hat aber auch Vorteile: So lernt man, stärker auf sich und seinen Körper zu hören. Innere Konflikte und Zweifel mit sich selbst zu lösen, ist wesentlich effektiver, als den Kopf auszuschalten und jemand anderen für sich denken zu lassen! Die größte Angst ist die vor mir selbst und vor meinen Fähigkeiten. Das eigene Selbstvertrauen ist enorm wichtig beim Verlassen der Komfortzone und wenn dieses fehlt, ist die Konzentration und der Fokus auf das Wesentliche nicht mehr da. Gleichzeitig geht so die gesunde Selbsteinschätzung verloren – und das Verletzungsrisiko steigt wieder. Ein Teufelskreis.

 

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finally back lapping through the beast 🤗. It‘s hard finding back my confidence in riding after haven‘t been riding pipe for some time. But realising how riding in flow helped my body out of its soreness today makes me wanna get some more laps soon 🙌🏻☺️! Couldn‘t ask for a better internship, Thank You @snowboardgermany @kitzsteinhornsnowpark for the good times! 🙏🏻☀️ . #snowboarding #kitzsteinhorn #halfpipe #outdoorchicks #goodtimes #gnusnowboards #girlscanride #girlssnowboarding #gnugirls #bluebird #gooddays #mountainview #glacier #happyme #lovesnowboarding . 📸 @michael_dammert . @gnusnowboards @bentmetalbindingworks @smithoptics @coffeekult @outdoorchicks_org

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Als Coach und Sportwissenschaftsstudentin bin ich darauf angewiesen, einen gesunden und funktionierenden Körper zu haben und die Angst vor Verletzungen ist bei mir leider sehr präsent. Auch wenn Höhe in der Halfpipe grundsätzlich Tricks erleichtert, da man mehr Zeit für die Bewegung hat, bedarf es mit zunehmender Höhe natürlich auch einer gesunden Portion Zuversicht. Eine weitere Zwickmühle.

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Um meinen Fokus und mein Selbstvertrauen zu behalten, versuche ich, mich immer wieder an meine Fähigkeiten zu erinnern und mir Erfolgserlebnisse in Erinnerung zu rufen. Ich rede mich also selber stark. Gleichzeitig gestehe ich mir meine Schwächen ehrlich ein und passe das Training je nach Tagesform flexibel an meinen Zustand an. Wenn ich merke, dass sich alles falsch anfühlt, versuche ich auf meinen Körper zu hören und auch mal einen Gang zurückzuschalten.

 

Und dann sind da noch die ständigen Aufs und Abs. Manchmal macht sich von einem Tag auf den nächsten das Gefühl breit, alles verlernt zu haben. Hier nicht aufzugeben und im Falle sogar bei Null anzufangen, kostet manchmal enorm viel Energie und Nerven, doch zahlt es sich am Ende aus. Schließlich liegt es nicht immer an einem selber, sondern auch an äußeren Bedingungen wie dem Wetter und den Schneeverhältnissen. Ein paar Tage später geht plötzlich alles wieder wie von Zauberhand, doch wenn man dann zufrieden mit seinem eigenen Riding ist und im nächsten Wettkampf ein ziemlich ernüchterndes Ergebnis einfährt, ist das wie ein Schlag ins Gesicht und bedarf einer Menge Können, um sich nicht unterkriegen zu lassen.

Getting started

Den Trick vorher zu visualisieren, ist für mich unglaublich wichtig. Deshalb schaue ich ihn mir mehrmals bei anderen Fahrern an, um eine Grundidee der Bewegung zu bekommen. Diese Grundbewegung lässt sich super als Trockenübung einbauen und ohne ein Brett an den Füßen ist auch das Verletzungsrisiko praktisch nicht vorhanden. Stück für Stück kann ich meinen Körper so auf den Trick vorbereiten.

Falls vorhanden, ist auch ein Trampolin ein super Trainingsground. Im Gegensatz zum Üben am Boden hat man hier die nötige Airtime und kann außerdem leichter Achsen oder Grabs mit einbauen.

Immer wieder aufzustehen, zahlt sich aus. Foto: Eli-media

Die Meisten bringen heutzutage den Begriff Halfpipe leider nur noch mit monströsen, eisigen Wänden in Verbindung. Dabei kann jeder, der sein Snowboard sicher am Berg beherrscht, die Pipe auf seinem ganz eigenen Fahrlevel nutzen und sich hier nach und nach an das nächste Level heranarbeiten.

Die Devise lautet: Klein anfangen und langsam beginnen, sich aus seiner Komfortzone nach oben arbeiten. Jeder kann erst einmal damit beginnen, im unteren Bereich der Wall Kurven zu fahren. Wenn man sich sicher fühlt, kann man die Geschwindigkeit langsam steigern und sich in der Wall immer näher bis ans Coping (oberste Kante) herantasten, bis man schließlich mit genügend Schwung und Sicherheit die ersten Airs macht und das Ganze aus der Luft betrachtet.

Wichtig ist hier vor allem eine tiefe Fahrposition, bei der man weit unten in den Knien steht. So hat man mehr Kontrolle und Power, um das Brett zu steuern. In der Halfpipe ist außerdem das Gefühl für den Flow beim Fahren extrem wichtig. Genauso, wie als kleines Kind auf einer Schaukel, muss man auch hier ein Gefühl dafür entwickeln, wie man am Besten mit der Transition arbeitet, um die wirkenden Kräfte entsprechend in Geschwindigkeit umzusetzen. Hier hilft am meisten, mit dem gesamten Körper mit der Wall „mitzuarbeiten“. Ganz unten im Flat sollte auch die Körperposition die Tiefste sein. Je höher man in der Wall fährt, desto mehr „streckt“ man sich von der Wall weg, um bei Hinunterfahren dann direkt wieder tief zu gehen.

Sarah in Action. Foto: Eli-media

Du hast die Pipe schon voll unter Kontrolle und willst auch einen Frontside 540 lernen?

Grundvoraussetzung hierfür ist das sichere Beherrschen von Frontside und Backside 360s. Diese am Besten erst auf der Piste (zum Beispiel an kleinen Kanten) oder auch auf dem Trampolin üben. Dann gilt in der Halfpipe genau das gleiche, wie für die ersten Schritte. Weiter unten anfangen, dann langsam hocharbeiten. Kommst du am Anfang nicht ganz rum, kannst du die Rotation einfach fertig rutschen. Am Schnellsten lernen sich neue Grundlagentricks in der Halfpipe, wenn man sie im gesamten Run übt. Hast du also zum Beispiel insgesamt sechs Hits in einem Run, fährst du diese in folgender Abfolge: FS 360, Cab 360, FS 360, Cab 360, und so weiter.

Sitzen die Rotationen, nimm dir für den FS 540 am Besten deinen allerersten Hit vor. Hier kannst du noch am meisten kontrollieren und musst zum Beispiel nicht noch eine unsaubere Landung des vorherigen Hits ausgleichen. Genauso wie beim 360 kannst du auch den FS 540 am Anfang einfach fertigrutschen, solltest du nicht ganz rum kommen. Wenn die Grundrotation sitzt, kannst du noch die entsprechende Geschwindigkeit für mehr Höhe dazupacken und ein passender Grab lässt das Ganze gleich doppelt so stylish aussehen!

Foto: Eli-media

Trick-Tipp Frontside 540

Der FS 540 in der Pipe ist vergleichbar mit einem FS 360 auf der Piste. Ich als Regular-Fahrerin mache ihn in der Riders Right, also in der von oben aus gesehen rechten Wall. Hierfür fahre ich auf der Frontsidekante an. Genauso wie beim Straight Air ist das Abkanten während der Fahrt mit zunehmender Höhe sehr wichtig. Schwung für die Rotation hole ich, indem ich die Schultern in der Anfahrt nach hinten drehe. Hierbei helfen mir die Arme, mich selbst und meine Position auf dem Brett zu kontrollieren. Am höchsten Punkt erfolgt der Abdruck über den hinteren Fuß – habe ich zu viel Gewicht auf dem vorderen Fuß werde ich Probleme bekommen, mein Brett von der Wall zu lösen und damit aus der Achse kommen. Gleichzeitig mit dem Abdruck drehe ich meine Schultern nach vorne auf, um die Rotation einzuleiten. Dann heißt es warten bis zur Landung. Diese erfolgt im Idealfall mit dem Gewicht auf dem hinteren Fuß, so dass ich direkt über die Backsidekante aus dem Trick herausfahren und Geschwindigkeit für den nächsten Hit mitnehmen kann.

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