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Interviews

Marcel Lämmerhirt

Marcel gehört heute zu den Top-Shootern der europäischen Snowboard-Szene. Er ist nicht über Nacht vom Himmel gefallen, sondern hat sich seinen Erfolg hart erarbeitet. Was ihn auszeichnet, sind sein Wille und seine Leidenschaft für die Fotografie. Wenn Marcel die Kamera im Anschlag hat, dann gib es kein Zurück und genau das macht den Unterschied.

Marcel fotografiert aus Begeisterung und hat aus dieser Begeisterung heraus einen Beruf gemacht. Zunächst hatte der heute 33-jährige Thüringer den Beruf des Schreiners erlernt und diesen vier Jahre lang ausgeübt. Heute kommt diese handwerkliche Erfahrung Marcel zugute, denn technisches Improvisieren gehört zum Alltag eines jeden Fotografen. Manchmal sollte Marcel einen Gangrunterschalten, zum Beispiel wenn die Sonne untergeht. Doch er kann nicht. Sein Problem: Er liebt seine Blitze – je mehr, desto besser, und somit dreht er in der Dämmerung oft erst richtig auf. Seine Bilder sprechen für sich. Marcel beschreibt sich selbst gerne als langweilige Person, die glücklicherweise durch ihre technische Besessenheit und ihren Ehrgeiz in der Fotografie diese vermeintliche Eigenschaft zum Positiven wendet. So verwundert es kaum, dass eine glückliche Fügung den Grundstein für seine Karriere legte. Es begann alles am Arlberg, wo Marcel in seiner ersten Saison als Nachtportier arbeitete, um das Geld für seine Ausrüstung zusammenzusparen. Tagsüber ging Marcel seinen Leidenschaften Snowboarden und Fotografieren am Berg nach, nachts stand er an der Hotelpforte des Geldes wegen. Die zweite wichtige Station auf seinem Weg zum Fotografen war das Haus in Dallas am Fusse des Arlbergs. Hier hat er mit Freunden aus seiner alten Heimat eine WG gegründet, die immer Platz hatte für talentierte Shredder, die einen Platz zum Schlafen brauchten. Schnell wurde das grosse Haus mit der kalten Dusche zum Geheimtipp bei Powder-Alarm. „Schlafplatz mit Fotograf“ – eigentlich das perfekte Set-up für jeden Fahrer und somit letztlich auch für Marcel. Heute ist Marcel eigentlich permanent unterwegs, sei es im Auftrag von Blue Tomato oder Red Bull, bei denen er kürzlich in das Red Bull Photofiles Internship Program aufgenommen wurde, oder einfach nur, um dem Schnee für Magazin- und Katalogaufnahmen hinterherzureisen. Ob Marcel nun langweilig ist oder nicht, er steht mit beiden Beinen auf dem Boden und gibt immer 150 -Prozent. Wenn eine Kampagne für Marcels Fotos entwickelt werden müsste, würde diese aller Voraussicht nach am Ende unter dem Thema „deutsche Wertarbeit“ stehen. Wie dem auch sei, Marcel lebt seinen Traum und das ist grossartig! Marcel, rock on – take care about your girlfriend, your dog and yourself, ansonsten bleib so, wie du bist, weil das passt hervorragend!

Bild oben
„,Der perfekte Trainings-Kicker‘ war das Motto im vergangenen Frühjahr, als sich das Burton European Team in Livigno zusammenfand. Es dauerte ganze drei Tage, bis das riesige Gebilde vollendet vor uns stand. Die Schwierigkeit an diesem Shooting waren die drei geladenen Fotografen (inklusive mir), die je mit zwei Kameras fotografierten. Zudem kamen noch einige Filmer dazu. Anfangs schien es fast aussichtslos, für jeden unterschiedliche Winkel zu finden, ohne sich gegenseitig im Bild zu stehen. Doch durch eine gute Absprache und kleine Abstriche ging die Rechnung am Ende für uns alle auf. Sani pullt hier einen mega-stylishen Fs 540° Fs Grab über das Gap. Vielen Dank an Burton für die Einladung!“

Kamera: Canon 5D Objektiv: Canon 15mm Fisheye Blende: 13 Zeit: 1/ 500 s Blitz: Profoto Pro 7b Full Power ISO: 100

„Jonte Edvardson besuchte mich für eine Woche zu Hause im Montafon. Unser Ziel war, jeden Tag ein gutes Foto zu produzieren. Leichter gesagt als getan. Dauerregen und katastrophale Schneebedingungen nötigten uns zu Mini-Jibs und Betongerutsche. Am Ende der Woche hatten wir trotz der widrigen Bedingungen eine feine Kollektion an Fotos beieinander.“

Kamera: Canon 1D Mark II Objektiv: Sigma 15-30mm/f2.8 Blende: 11 Zeit: 1/400 s Blitz: 3 externe Blitzer ISO: 250

„Bei dieser Aufnahme durfte ich nichts anbrennen lassen, weil die Landung durch das einsetzende Tauwetter äussert sketchy wurde und Stani nur zwei, drei Versuche hatte. Aus diesem Grund arbeitete ich mit zwei Kameras. Die eine platzierte ich mit Fernauslöser auf einem Stativ in der Mitte der Strasse, mit der anderen schoss ich Sequenzen aus der Hand. Es ist schon unglaublich, dass ich beim Auslösen dieses Fotos 20 Meter von der Kamera entfernt stand und ganz ohne Kabel und Sichtkontrolle die Aufnahme machte!“

Kamera: Canon 5D Objektiv: Canon Fisheye 15mm Blende: 11 Zeit: 1/400 s Blitz: Pro-foto Pro 7b Full Power ISO: 100

„Mit Marc-André Tarte sollte ich Life-style-Fotos für den Völkl-Katalog schiessen. Auf unserem Location Check kamen wir an dieser Pfütze vorbei – wer Marc kennt, weiss, wessen Idee es war, unseren eigentlichen Plan über den Haufen zu schmeissen. Durch meine Euphorie über Marcs Idee, sich per Auto mit Schlamm einsauen zu lassen, hab ich mich und mein Kamera-Equipment völlig vergessen. Ich guckte konzentriert durch meinen Sucher, um im richtigen Augenblick auszulösen, als das Auto an mir vorbeiheizte und mir eine volle Breitseite Dreck verpasste. Die dreckigen Kla-motten waren mir egal, aber das total verdreckte Equipment machte mich wahnsinnig. Zur ,Stressbewältigung‘ durfte ich die komplette Ausrüstung zerlegen, putzen und trocknen. Ich legte diesen Vorfall als bezahltes Lehrgeld zu den Akten…“

Kamera: 1D Mark II Objektiv: 24-70mm/f2.8 Blende: 7,1 Zeit: 1/100 s Blitz: 3 externe Blitzer ISO: 400

„Wir waren auf der Suche nach einer geeigneten Location in Pontresina unterwegs. Die Suche schien aussichtslos, denn die Sonne läutete bereits den späten Nachmittag ein. Plötzlich rief Local ,Gummi‘ Rietmann an und lotste uns per Mobiltelefon zu dieser schon von ihm vorgebauten Corner. Alex Schmaltz eröffnete mit diesem stylishen Stalefish die Session und der Tag endete glücklicherweise mit einem Happy End. Die tief stehende Sonne der Gegenlichtsituation liess dieses Shooting zur echten Herausforderung werden. Der mir verbleibende Spielraum, um sowohl Alex als auch den hellen Schnee halbwegs gut zu belichten, war gering. Letztlich fand ich doch den richtigen Mittelweg. Alex wurde nicht zur Silhouette, sondern das Gelb seiner Jacke ist satt, auch wenn es oben schon auszubrechen beginnt. Mir persönlich gefällt dieser Effekt, da die Windlip ebenfalls oben an den Spitzlichtern leicht überbelichtet ist!“

Kamera: 1D Mark II Objektiv: 24-70mm/f2.8 Blende: 13 Zeit: 1/400 s Blitz: Profoto Pro 7b Half Power ISO: 50

„Es regnete, als ich dieses Foto von Andi Lehmann aufnahm. Nachdem wir diesen Schnee-brocken inmitten eines Lawinenkegels entdeckt hatten, machte ich mich daran, mit Plastik-tüten und Tape meine Blitze wasserfest zu bekommen. Das triste Regenwetter liess weder volle Farben noch irgendetwas anderes zu, um aus dem Bild etwas Spezielles zu machen. Also spielte ich für eine 1/250 Sekunde lieben Gott und liess es dank Blitz-Power am helllichten Tag Nacht werden.“

Kamera: Canon 5D Objektiv: 24-70mm/f2.8 Blende: 6,3 Zeit: 1/250 s Blitz: 3 externe Blitzer ISO: 160

„Durch den frühen Wintereinbruch öffneten einige Wintersportgebiete früher als geplant. Es lag massiv viel Schnee, aber niemand war in den Gebieten, so auch am Sonnenkopf. Chris Kröll und einige andere Fahrer hatten den ganzen Tag Zeit, eine Line nach der anderen zu fahren. Dieser Hang war der perfekte Playground für C.K. und mich. Durch das Sonnen-Schatten-Spiel wusste C.K., wo er die Turns zu setzen hatte. Ich positionierte mich im Gegenlicht, um das Lichtspiel besser einfangen zu können. An solchen Tagen wird mir immer wieder bewusst, welches Glück ich mit meinem Job habe!“

Kamera: Canon 1D Mark II Objektiv: 70-200mm/f2.8 Blende: 7 Zeit: 1/000 s Blitz: nein ISO: 100

„Ende Februar 2008 war die ,Yeahh!‘-Crew für Filmaufnahmen in St. Moritz unterwegs. Dass Snowboard-Fotografie nicht nur bedeutet, auf den Auslöser zu drücken, wurde mir bei dieser Location einmal mehr bewusst: Der komplette In-Run sowie die Landung waren schneelos, sprich, wir schaufelten fast den ganzen Tag, um die Session zu ermöglichen. Der Stahlpfosten neben dem Takeoff schien prädestiniert zum Ein-hängen und barg relativ hohes Schmerzpotenzial. Arthur Longo ist einer der besten Upcoming Riders Frankreichs und meisterte den Pfosten und den ganze Spot mit Bravur wie zum Beispiel hier mit einem Fs Wallride. Durch die mystische Lichtstimmung und die sechs von mir platzierten Blitze hat die Aufnahme schon fast etwas Surreales.“

Kamera: Canon 5D Objektiv: Canon 15mm Fisheye Zeit: 1/200s Blende: 9 ISO: 100 Blitz: 6

2003, Mein erstes veröffentlichtes Foto
„Wie heisst es so schön: An das erste Mal erinnert man sich sein Leben lang. So auch ich. Dieses Foto schoss ich Ende April 2003 mit dem Neuseeländer Chris Garside in Lech. Damals arbeitete ich als Saisonier-Nachtportier und konnte tagsüber meinen Hobbys Snowboarden und Fotografieren nachgehen. Dieses Bild war meine erste Veröffentlichung. Es wurde in einem neuseeländischen Magazin auf einer Doppelseite im Rahmen eines Lech-Berichts abgedruckt. Ich bin Chris für immer und ewig für den Kontakt zu dem Magazin dankbar, denn diese Veröffentlichung war richtungweisend für meine berufliche Zukunft!“

2004, Zur richtigen Zeit am richtigen Ort
„Ich war mit den Schweizern Dani ,Costi‘ Costandaché und Dani Kistler für das Red-Bull-Event Hike and Ride 2004 in Grindelwald unterwegs. Geplant war ein Pipe-Shooting bei Sonnenuntergang. Reto Kestenholz war ebenfalls in Grindelwald zum Trainieren. Ich war gerade unterwegs, um meine Winkel zum Fotografieren festzulegen, als ich plötzlich vom Wetterhorn her ein bedrohliches Grollen hörte. Ich sah Reto fertig angestrappt am In-Run stehen und schrie ihm zu, dass er sofort droppen sollte. Eine monströse Lawine schoss den Berg hinunter, während Reto aus der Pipe segelte. Dank seiner schnellen Reaktion konnte ich diesen grossartigen Augenblick mit meiner Kamera festhalten. Wie sagt man so schön: Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. An diesem Tag war ich es!“

2005, Ein Spot, zwei Jahreszeiten
„Im Winter 2004/05 wollten Eric Themel und ich eine Pillow Line oberhalb des Arlbergtunnels fotografieren, als Eric diesen Wasserfall sah. Ich hatte noch nicht meine Kameraposition gefunden, da stand er schon absprungbereit oben auf dem Wasserfall. Eric stylte einen superschönen Indy das Eis hinunter. Das Porträt haben wir im nachfolgenden Sommer geschossen. Es zeigt zum einen sehr schön, wie hoch der Drop in Wirklichkeit war, und zum anderen, wie unterschiedlich die Location zu den verschiedenen Jahreszeiten aussieht.“

2006, Eins meiner Favorites
„Seit gut zehn Jahren lebe und fotografiere ich am Arlberg, doch dieser Spot am Flexenpass blieb meinem fotografischen Rasterblick auf unerklärliche Weise lange Zeit verborgen. Wir wollten uns das Geld für den Liftpass sparen und fanden stattdessen diesen Step-up Kicker direkt neben der Strasse. Als der Kicker gebaut war, begann die Sonne, sich zu senken, und die Lichtstimmung wurde von Minute zu Minute schöner. Dieser Bs 360° von Quentin Robbins war und ist eines meiner Lieblingsfotos – umso grösser ist meine Enttäuschung, dass es in Europa nie veröffentlicht wurde. Dieser Kicker ist auch als ,MDP-Step-up‘ bekannt. Wir waren zuerst da!“

2006, Der dümmste Fehler
„Diese zwei Bilder entstanden im Sommer auf dem Hintertuxer Gletscher. Nur wenige Meter neben der Piste war diese Spalte, an der ich beide Fotos schoss. Beide schafften es auf die Titelseite eines Magazins. Das Problem an der Sache: Die Hefte erschienen zeitgleich in England… Die Herausgeber beider Zeitschriften waren natürlich äusserst angespannt nach dem Vorfall. Letztlich arbeiten wir nach wie vor noch zusammen und die Wogen haben sich geglättet.“

2007, Mein erstes „TWS“-Cover
„Als ich vom ,Transworld Snowboarding‘ eine E-Mail mit dem Betreff ,Cover‘ bekam, hielt sich meine Begeisterung in Grenzen. Der Grund: Ich konnte der an das Cover geknüpften Bedingung, dass das Foto noch nicht veröffentlich sein dürfte, nicht nachkommen. Das Foto war schon das aktuelle Cover beim ,TWS Japan‘. Nach einigem Hin und Her entschieden sich die Jungs vom ,TWS‘ doch noch, das Foto als Cover zu verwenden. Es war schon etwas Besonderes für mich, das Cover des grössten Snowboard-Magazins der Welt zu bekommen.“

2007, HDR-Technik
„Ich flog nach Neuseeland, um den aktuellen Völkl-Katalog zu fotografieren. Um dem Katalog eine eigene Note zu verpassen, entschied ich mich, alle Fotos in HDR-Technik zu fotografieren. HDR ist normalerweise in der Landschafts- und Architekturfotografie zu Hause. Das fertige HDR-Bild wirkt in der Regel surreal und hat schon fast etwas von einem Gemälde. Diese Technik gab es zuvor noch nie im Snowboarden, woraufhin ich die ersten Testaufnahmen machte. Diese Bilder wurden im Rahmen der letztjährigen ,Bundeslichtbildspiele‘ im MBM abgedruckt und verpassten nur ganz knapp den Sieg. Man kann hier sehr gut den Unterschied zwischen normalem und HDR-Bild sehen.“

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