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Special

Making of: Walk the Plank

Einen Snowboard Film zu drehen bedeutet auf der einen Seite eine Menge Spass, auf der anderen Seite aber gleichzeitig viel harte Arbeit. Eine Saison, die zu einer der schlechtesten in der Snowboardgeschichte zählt, macht eine Produktion nicht unbedingt leichter. Danny Larsen gibt euch einen Einblick in die vergangene Filmsaison der Pirate Movie Production und erzählt, warum die Entstehung des neuen Streifens „Walk the Plank“ zur grössten Herausforderung in der Geschichte der Pirates wurde.

Wenn man einen Snowboard Film dreht, ist es immer eine gute Idee, die Fahrer in kleine Crews einzuteilen, um alles unter Kontrolle zu halten und sicher zu gehen, dass man Shots von möglichst vielen verschiedenen Locations erhält. Das heisst aber auch, dass es einem nicht vergönnt ist, ständig mit allen Piraten gleichzeitig abzuhängen. Darum dreht sich diese kleine Geschichte hauptsächlich um die Crews mit denen ich, Danny Larsen, on the road war.

Der Piratenwinter begann eigentlich Anfang Dezember im hohen Norden Schwedens. Ich erinnere mich daran, dass ich zu hause sass und die zweihundertste Tasse Kaffee schlürfte, während es draussen vor dem Fenster Katzen und Hunde vom Himmel regnete. Unser Produzent Basti Balser rief mich an. Er sagte, ich könnte mich mit Chris Sörman, Hans Åhlund und unseren beiden Filmern Flo und Cepten in Kiruna für ein Rail-Shooting treffen. Noch heute, während ich diese Zeilen schreibe, bereue ich es, dass ich nicht zu ihnen stossen konnte. Aber in der harten Realität musste ich nun mal meine Schulbücher wälzen und war im ewigen Herbst von Norwegen gefangen, der jeden positiven Gedanken in mir zunichte machte, während die Jungs ein Rail nach dem anderen hitteten.

Januar 07, Nanshan, China
Es dauerte noch einen weiteren vollen Monat bis auch ich endlich in den Genuss des filmens kam. Aleksi Vanninen, Mone Monsberger, Filmer Schnipfel, unser Fotograf Lucci und ich flogen nach China um Anfang Januar bei den fünften Nanshan Open mitzumachen. Zusammen mit einem Haufen anderer Fahrer waren wir zu Shopping, Sightseeing, Parties und natürlich dem Contest eingeladen. Die ersten Fahrer flogen bereits nach einer Woche wieder nach hause oder in irgendwelche andere Ecken der Welt. Wir aber blieben, um noch im Park zu shooten. Die eigentliche Mission war, ein paar gute, exotische Shots für „Still Boardbagged“ und einige besonders schöne Tricks für „Walk the Plank“ in den Kasten zu bekommen. Für Aleksi und mich (Mone musste schon nach der ersten Woche wegen eines Missverständnisses bei der Ticketbuchung heim) war es aber auch eine grossartige Möglichkeit, um uns auf die anstehende Saison vorzubereiten. Schliesslich kommt man heutzutage selten dazu ein paar gute Parkkicker zu springen, bevor es zum ersten mal ins Backcountry geht.

Januar 07, Monashee Lodge, Kanada
Als wir noch merkwürdiges und leckeres Essen mit Stäbchen in China assen, flog eine zweite Crew bereits weiter nach Kanada. Kanada versank Anfang des Jahres im Schnee, und so ziemlich jede Filmcrew dieser Erde versammelte sich in British Columbia. Also schickten die Pirates einen Haufen stinkender Jungs, und als einziges Mädel Anne-Flore Marxer, über den grossen Teich. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, Anne-Flore hat doch um einiges besser gerochen als der Rest der Truppe, welcher sich auch noch dazu entschlossen hatte, in einem Wohnmobil auf engstem Raum zu hausen. Martin Sandberg und Andreas Moen hatten schnell genug von dem stinkend, stickigen Wohnwagenleben und zogen um in ein schickes Hotel mit anständiger Dusche und anderen sanitären Annehmlichkeiten. Ihr Zimmer, vor allem das Bad, war sehr beliebt bei den restlichen Wohnwagenbewohnern, das könnt ihr mir glauben. Trotz der aromatischen Körpergerüche hatte unser Piratestrupp eine Menge Spass und viel Powder in Kanada. Ausserdem wollten sie Mutter Natur einen Gefallen tun, liessen die Skidoos in der Garage stehen und fuhren alle zusammen in einem merkwürdig militärisch anmutenden Fahrzeug, namens Snowcat, durch die Berge. Fühlte sich bestimmt jedes mal so an, als würde man in einem Panzer in irgendeinen verrückten Krieg ziehen.

Februar 07, Stockholm, Schweden
Während die Jungs und Mädels also immer noch kanadischen Powder zerpflügten, kehrten wir zurück aus China. Die Alpen hatten zwar noch immer keinen Schnee abbekommen – so langsam bekamen wir Torschlusspanik ­­-, aber Skandinavien wurde dafür von Tag zu Tag weisser. Also entschieden wir, dass eine weitere Rail Mission angerissen werden müsse. Zusammen mit Chris, Dmitry Fesenko und Schnipfel machten wir uns auf den Weg nach Stockholm, von dem uns gesagt wurde, es sei, was Handrails anbelangt, das neue Helsinki. Leider hatte Chris, der für uns den Guide mimen sollte, ein paar Schwierigkeiten mit seinem Terminplaner und musste uns vorzeitig verlassen, was dazu führte, dass der Rest von uns in Stockholm festsass und wir keine Ahnung hatten, was wir tun sollten. Also kauften wir Fahrkarten für die Metro und machten uns auf Spotsuche. Das Ergebnis war ein einziges halbwegs anständig aussehendes Rail, das letztendlich dann doch nicht funktionierte. Als Chris endlich zu uns zurückstiess, stellte sich unglücklicherweise heraus, dass auch unser Guide nicht viel mehr Spots kannte. Also mussten wir den Stockholmer Local und Fotografen Andreas Neumann um Hilfe bitten. Leider wurden fast alle Locations schon im Jahr zuvor vom Forum Team aufs Schwerste dokumentiert. Während des gesamten Trips durch die schwedische Hauptstadt konnten wir gerade mal zwei Rails richtig fahren. Nicht gerade das, was wir uns vorgestellt hatten, aber besser als gar nichts!

Februar bis März 07, Flachauwinkl, Österreich
Obwohl wir immer noch einen riesigen Gusto auf Rails hatten, standen nun Powder Shots im Skript. Also machten wir uns, von dem nicht enden wollenden Optimismus des Produktionsteams angesteckt, auf den Weg in den Süden; ab in die Alpen. Die Wahl fiel auf das österreichische Flauchauwinkl. Nachdem unser Filmer Cepten ziemlich down mit den Besitzern des Gebiets ist, warteten bereits Unterkunft und Lifttickets auf uns. Nach Aussage der Shaper lag zwar wenig Schnee, aber immerhin genug, um etwas auf die Beine zu stellen. Im Nachhinein könnte man das als Motto für die komplette Saison nehmen. Wir wurden aufs herzlichste vom Headshaper Seppi Harml begrüsst, der uns gleich erzählte, dass wir uns auf ein Holzhaus freuen dürften, das zwar ein Stück weg vom Geschehen liegt, dafür aber umso schnuckeliger ist. Das hörte sich gut an: kein Stress und man läuft nicht ständig Gefahr in irgendeiner Bar zu versumpfen. Die Mischung aus alpenländischer Berghütte und Grossstadtloft war „die verdammt noch mal coolste Hütte, die ich je gesehen habe“! Ich habe beim Snowboarden noch nie an einem schöneren Ort geschlafen. Wir waren dermassen von unserem neuen Heim begeistert, dass wir Seppi gleich dazu überredeten, die Nacht bei uns zu verbringen, um mit uns den guten Wein zu geniessen, mit dem die Küche bestückt war, und uns von den Bedingungen auf dem Berg zu erzählen.
Seppi sollte recht behalten: wenig Schnee, aber es sollte möglich sein zu filmen, vor allem wenn man ausgiebig nach Spots Ausschau hält. Wir entschieden uns am nächsten Morgen für einen Kickerspot am obersten Lift, wo uns ein Pistenbully-Fahrer einen schönen Kicker zusammenschob. Wegen unvorhergesehener Ereignisse wurde unser Kicker allerdings erstmal aufs Abstellgleis geschoben und blieb eine ganze Woche ungenutzt stehen. Zusammen mit unserem Besuch, der MMP Crew und dem Snowboarder MBM, die Mitte der Woche für die Golden Hill Story aufschlugen, zog plötzlich ein massiver Schneesturm über Flachauwinkl her. Dieser Sturm bedeutete, dass wir endlich genug Powder hatten und jede Menge Spots für unsere Filmeskapaden.

Also bauten wir zum zweiten Mal in dieser Saison ein paar lustige Kicker. Es ist wirklich schwer das Gefühl zu beschreiben, das man hat, wenn man kurz davor steht, den ersten Powderkicker der Saison zu springen. Man versucht die Distanz, Höhe, Sturzmöglichkeit und einen ganzen Haufen anderer Dinge abzuschätzen. Glücklicherweise berücksichtigten die Glücksgötter meine Nervosität und Martin Sandberg verlor das obligtorische Stein-Schere-Papier Spiel und musste als erster droppen. Ich muss zugeben, dass es eine grosse Erleichterung war, zu sehen, wie Martin den ersten Versuch super lässig stand. Es stellte sich heraus, dass wir saubere Arbeit geleistet hatten und alle standen ihre ersten Tricks im Backcountry.
Bald waren wir uns einig, dass Flachauwinkl definitiv der „place to be“ sei, woraufhin Aleksi, Martin und ich uns entschieden, für die annähernd ganze restliche Saison hier unsere Zelte aufzuschlagen. Wir fingen langsam an uns wie importierte Locals zu fühlen.

Die ganze Saison 07, Sellrain, Österreich
Eine elementare Sache, die sich von der letztjährigen Produktion unterschied, war, dass die Fahrer regelmässig in das neue Hauptquartier der Pirates, über den Dächern Innsbrucks, eingeladen wurden, um das gefilmte Material zu sichten. Wenn man auf 16mm filmt, dauert es normalerweise ziemlich lange bis man das Resultat seiner Arbeit zu Gesicht bekommt, was einige Nerven zerreibende Wochen für die Fahrer zur Folge hat. Gedanken wie: „Verdammt, ich bin mir sicher ich habe bei allen Aufnahmen Tindy gegrabt, spastisch mit den Armen gewedelt und in den Schnee gegriffen ohne es zu merken,“ fangen an dich zu plagen. Da war es eine grosse Erleichterung mit eigenen Augen sehen zu können, dass man tatsächlich ein paar anständige Aufnahmen im Kasten hatte. Trotzdem musste wir noch eine Menge mehr filmen um den Film dahin zu bekommen, wo wir ihn haben wollten.

April bis Mai 07, Åre und Riksgränsen, Schweden
Nach einer Weile wurde uns bewusst, dass sich die Saison in den Alpen unweigerlich dem Ende neigte, zumindest wenn man im Backcountry filmen wollte. Und wenn man realisiert, dass der Powder so gut wie verschwunden ist, kann man entweder in Panik geraten oder versuchen, sich einen Alternativplan einfallen zu lassen. Wir entschieden uns, in die Heimat eines grossen Teils unserer Fahrer zu reisen: Skandinavien. Das freute natürlich vor allem die skandinavischen Pirates, da es nicht oft passiert, dass man im heimischen Powder zum filmen kommt. Eine Crew entschied sich nach Åre zu fahren, um dort den Monster Kicker zu hitten, an dem Chris letztes Jahr seinen 1260° aus „Lubedence“ stickte. Auf dem Plan stand auch noch ein Riksgränsen Trip, um an der Grenze zu Norwegen die letzten sulzigen Backcountry Shots zu drehen. Aber so ziemlich die komplette Snowboardwelt hatte zur gleichen Zeit den gleichen Einfall, ins Backcountry von Riks zu kommen. Riks war in etwa so überfüllt mit Crews, wie die Tokioter U-Bahn zur Rushhour. In Åre wiederum realisierten die Jungs, dass es in diesem Frühling besonders windig war, was es den Fahrern nicht gerade erleichterte den Kicker zu springen. Andererseits hatte Filmer Clement, der schon einiges an Erfahrung in der französischen Film Szene sammeln durfte, einen erstklassigen Assistenten und eine spitzen Filmausrüstung mitgebracht. Dadurch wurde umgesattelt und die spassigen Jib- und Lifestyleaufnahmen haben einen ganz neuen Look erhalten, der für die Piraten bis dato neu war.

April bis Mai 07, Norwegen’s Westküste
Gleichzeitig reisten Haugo und ich, zusammen mit Cepten, nach Norwegen. Anders als in Riksgränsen, waren wir die einzigen, die auf diese geniale Idee kamen. Und was für ein guter Einfall das war! Wir hatten Norwegen ganz für uns allein und die Westküste war voller Spots, die unbedingt angesteuert werden mussten!
Nachdem Haugo uns in Bergen abgeholt hatte, war unser erstes Ziel Røldal, eine von Norwegens besten Gegenden für Powder. Da wir schon seit ein paar Jahren immer wieder zum Cruisen vor Ort waren, kannten wir schon einige der guten Spots, aber obwohl wir Gegenteiliges gehört hatten, lag doch nicht allzu viel Schnee. Aber in einer Saison, in der Schneemangel eine Angelegenheit war, mit der man sich täglich auseinandersetzen musste, machte das auch nicht mehr allzu viel aus. Solange die Landung mehr Schnee als Stöcke und Steine vorzuweisen hatte, waren wir froh, überhaupt fahren zu können.

Die Schneesituation änderte sich drastisch, als wir uns entschieden zu unserem nächsten Ziel, dem Folgefonna Gletscher, aufzubrechen. 2007 war ein Rekordjahr für Folgefonna. Alle Leute, die dort arbeiteten, hatten davor noch nie so viel Schnee in ihrem Leben gesehen. Entlang der Strasse zum Resort türmten sich acht Meter hohe Schneewände in den Himmel und der Lift war komplett unter den Schneemassen begraben. Sie hatten es noch nicht einmal geschafft, das Resort oder die Strasse bis ganz oben zu öffnen. Schlau wie wir sind, hatten wir diesen Umstand aber vorhergesehen und Schneeschuhe mitgebracht, mit denen wir den Rest des Weges gelaufen sind. Es dauerte auch nicht allzu lange bis wir realisierten, dass es viel zu egoistisch wäre, das Wissen über dieses Paradies für uns zu behalten. Also riefen wir Jocki Köffler und Hannes Metzler auf den Plan, die sich auch just zu uns nach Norwegen aufmachten. Man könnte sagen, dass es sowohl eine freundliche Geste, als auch eigennützige Tat war, denn fünf Leute graben besser als drei. Die Jungs konnten auch verdammt gut mit der Schaufel umgehen, aber lange nicht so gut wie Cepten. Der Mann ging da oben zu Werke wie eine Maschine.

Nach zehn Tagen schönstem Bluebird setzte das für Norwegen typische Frühlingswetter ein – Regen. Just in dem Moment, als Björn Hartweger, mit Fotograf Carlos Blanchard im Gepäck, eintraf. Carlos hatte nur Gutes von unserem Trip gehört und dachte, dass das schlechte Wetter bei seiner letzten Norwegenreise nur Pech war. Ich glaube ich liege nicht komplett daneben, wenn ich behaupte, dass sie in zwei Wochen vielleicht ein oder zwei Tage ohne Regen erleben durften. Hat bestimmt eine Menge Spass gemacht. Immerhin kamen sie in den Genuss der norwegischen Art zu feiern!

Juni 07, Capraia, Italien
Nachdem die Snowboard Action annähernd vorbei war, galt es, das Intro für den Film und für die einzelnen Fahrer auf Zelluloid zu bannen. Was könnte es eine bessere Location für Piraten geben, als eine halbwegs einsame Insel vor der Küste der Toskana?! Capraia liegt etwa drei Stunden westlich von Pisa im Mittelmeer und wurde nun zweiten Mal in seiner Geschichte die Heimat von Piraten. Im Jahr 1540 hatten der Pirat Dragut und seine Crew die Insel besetzt, und wir waren seitdem die ersten Freibeuter, die wieder Fuss auf dieses idyllische Eiland setzten. Die Einheimischen waren dementsprechend skeptisch gegenüber unserer Piratenbande, die nun durch ihre Strassen zog, trank und vor der Kirche Schwertkämpfe austrug. Das letzte Mal, als so etwas passierte, wurden alle Bewohner der Insel gefangen genommen und als Sklaven verkauft. Ein paar alte Leute riefen sogar die Polizei, was den Dreh um zwei Tage verzögerte, da wir nicht mehr filmen durften. Zum Glück hatten wir unsere italienische Connection Maurino mit an Bord, der uns vor solchen Problemen bewahren sollte. Es war uns danach zwar nur noch während der Dreharbeiten erlaubt, in den Strassen mit Waffen zu spielen, aber wenigstens wurden wir nicht von der Insel verbannt. Es war zum schreien komisch mit anzusehen, wie eine Szene aufgebaut wurde. Ein Snowboarder, der wie ein Pirat verleidet ist, steht leicht verwirrt im Hintergrund, während Filmer, Produzenten, Helfer und Betrunkene, die einfach nur da waren, sich im „Fachchinesisch“ der Filmer unterhielten. Aber das Resultat ist das Ziel und letztendlich haben wir wohl den ersten Piratenfilm auf einer Pirateninsel für Snowboardpiraten gedreht.
Und wem das nicht gefällt, der kann über die Planke gehen!

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