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Special

Air and Style 2006

Travis? Rice! Travis? Rice! Danke. Bitte. Kein Fussballspiel nach erfolgreichem Torschuss, nur der Kanon zwischen Moderatoren und Publikum auf dem Air&Style 2006 in München. Denn sie haben dem Organisationskomitee eine zweite Chance gegeben, und siehe da, es hat sich gelohnt. Die fast 28’000 Zuschauer haben getobt und geschrieen, gefeiert und gejohlt. Alles Negative vom Vorjahr war vergessen und sie haben das Olympiastadion am Samstag, den 02 Dezember zum Kochen gebracht. Selber schuld, wer sich nach dem verpatzten 2005 aus dem Stadion vertreiben liess. Wir zumindest waren vor Ort, genau wie die Sieger Travis Rice und Mikkel Bang und die wohl krassesten Tricks, die bis dato einem Contest-Publikum geboten worden sind. Und wisst ihr was, es war jeden abgefrorenen Finger, jede heisere Stimme und jedes müde Tanzbein wert!

THE DRAWING
Und am Anfang steht „the Drawing“! Noch lange bevor der erste Fahrer im Olympiastadion über den Kicker gehen wird, dreht sich am anderen Ende der Stadt die Lostrommel. Zwei Tage vor Contestbeginn versammeln sich von Antti Autti bis Shaun White alle Fahrer in der Schickimicki-Hochburg „P1“, um ihren Gegner für die erste Runde à la Uefa-Cup-Auslosung zu ziehen. Das Publikum dient der angebrachten Effektgeräuschkulisse; so dröhnt ein euphorisches „Yeah“ für die Begegnung „Travis Rice vs. Eero Ettala“ durch den Club, während Sani Alibabic mit unglücklichem Händchen zielstrebig nach dem Los von Shaun White greift, was ihm mitleidige Kondolenzrufe einbringt. Und noch einer hat Pech: In Abwesenheit wird Nicolas Müller zur Höchststrafe verdonnert: David Benedek! Damit steht endgültig fest, dass die erste Runde nicht Mittel zum Zweck werden wird. Bei den Begegnungen wird von Anfang an der beste Trick ausgepackt werden. Wahrscheinlich…

ROOKIE CHALLENGE
Bang! Der erste Warm Up-Run von Rookie-Debütant Peter König weckt das Olympiastadion aus seinem snowboard’schen Tiefschlaf. Und obwohl Peter seinen Backside 5er nicht stompt, steht das Olympiastadion so Kopf wie noch nie zuvor in seiner kurzen Snowboardgeschichte. Das vermasselte 2005 ist vergessen. Das ist der Start eines neuen und würdigen Zeitalters „Air&Style“ in München. Die grünen Plätze von der Südkurve bis zum VIP-Sektor sind fast vollständig gefüllt, im Stadioninnenraum tanzen Hände zum Gejohle der Zuschauer, das zum ersten zählenden Run der Rookies neue Dezibelwerte erreicht. Was uns die Herren der U18 Generation präsentieren, ist ausgereifter Wahnsinn – ein paar wenige Bruchpiloten aussen vorgelassen. Wer keine 2,5-fachen Drehungen in den Schnee stellt, kann zu Hause bleiben – und das bei der Rookie Challenge, wohlgemerkt. Die Youngguns setzen Massstäbe, die es von den Grossen erst noch zu toppen gilt: Luke Mitrani versucht sich an einem 10er nach dem anderen, Iouri Podladtchikov zeigt ihm, wie die 3-fachen Drehungen wirklich funktionieren. Hitsch Haller und Mikkel Bang batteln sich mit Backside respektive Cab 9ern. Marco Smolla setzt Back to Back 7er und Rocket Airs in den Schnee und erhält somit zusammen mit Juuso Laivisto, letzterer für einen Back 9 Mute to Back to Frontflip, unsere Styletrophy. Den Kopf am höchsten aus dem Jungspundenkampf trägt zur Siegerehrung aber Mikkel Bang, und das nicht nur, weil er seinen Kollegen vom Körperbau her schon um eineinhalb Häupter überlegen ist. Mit einem Cab 9 to Frontflip sichert sich der 16-Jährige Norweger den ersten Platz der Rookie Challenge, damit einen Startplatz für den Air&Style 07 und beweist zudem, dass auch Menschen über 1,80 Meter Frontflips im Strecksprung-Verschnitt landen können. Ende das Wahnsinns, Snowboarden hat Zukunft. Danke!

THE BIG ONE
Bitte! Es geht doch. Der Air&Style hat es im zweiten Jahr in München endlich geschafft, das volle Potenzial des Olympia-Stadions auszunutzen. Frontal-Flug der Fahrer Richtung Zuschauer, und damit steht Snowboarden wieder traditionell im Mittelpunkt. Schon im Training der Geladenen 16 am Vormittag deutet sich an, was am Abend Programm sein wird. Ein Dauerfeuer an 1080ies, Double Corks und Backflips, die eine neue Ära im Contest Geschehen einläuten würden. An diesem Samstagabend wird Geschichte geschrieben, zumindest für uns Snowboarder.

Ein paar Stunden später brummt das Stadion. Die Massen stimmen grölend zu den Schlachtrufen der beiden Moderatoren Chris Bachmann und Alex Schwan ein, als sich um Punkt 17 Uhr die 8 Head-to-Head Paarungen per Introduction Run über „The Big One“ – der dieses Jahr unter Beratung von David Benedek und Sani Alibabic mitgestaltet worden war – und den darauf folgenden Roller ihren Fans vorstellen. Klar, dass sich bei Shaun White das Gebrüll überschlägt, schon beim Vorstellrun segelt der 2fache Air&Style Sieger und diesjährige Favorit fast bis ins Flat runter. Doch die Konkurrenz schläft nicht. Der erste Heat lässt die Ausmasse dieses hochkarätigen Starterfelds erahnen. Während sich Christophe Schmidt und Heikki Sorsa bei ihren 1080 und 900 Versuchen auf den Hintern setzen, pflanzt David Benedek souverän wie man bei einem Heimspiel nur sein kann, seinen Fs Double Cork 1260 perfekt in den Kunstschnee. 285 Punkte von 300 Möglichen. War zwar zu erwarten, dass er seinen neuen Signature Trick auspacken würde, aber schon in der ersten Runde? Jetzt kocht die Suppe über, die Leute flippen völlig aus. So was hat man noch nicht gesehen. Was soll da noch kommen?! Und es kommt. 900 ist Standard, 1080 ist Pflicht. Und dieses Spin Battle zieht sich insgesamt über drei Heats, bis sich die besten 8 für die nächste Runde qualifizieren. Bezeichnend: Leute wie Nicolas Müller oder Eero Ettala scheitern schon in der ersten Runde, trotz derber Tricks in ihren Runs wie Switch Double Backflip und One Footed Bs 7 – zwar geslamt -, an ihrem Gegenüber. Wenn man von Progression reden will, dann sollte man es jetzt tun. Die Konstellationen für die nächste Runde: Mathieu Crepél gegen Travis Rice, David Benedek gegen Heikki Sorsa, Shaun White gegen Antti Autti und Risto Mattila gegen Vorjahressieger Hampus Mosesson.

Im Halbfinale ist die Stimmung in den Rängen durch den Auftritt von Billy Talent und die zusätzlichen Runden Bier aufgeladen. Das Publikum hat Blut geleckt. David kann sich knapp gegen Heikki mit seinem Double Cork behaupten und steht im Superfinale, Travis setzt sich gegen Mathieu mit einer sauberen Cab Inverted 9 to Bs Rodeo 5 Line durch und Risto haut mit Cab 9 to Bs Rodeo 5 den Gewinner von 2005, Hampus, aus dem Rennen. Und dann die grosse Überraschung. Shaun gegen Antti, ein Duell der Titanen. Doch Antti knackt mit einem Fs 1260 Tailgrab, den er perfekt in den Schnee stellt, fast die 300er Punktemarke. Was für eine Ansage! Autti Rufe schallen durch die Reihen. Shaun riskiert alles, probiert als Konter einen Cab 1260 – den ersten in seiner Karriere -, landet den auch ohne Tadel und setzt noch einen Cab 5 über den Roller drauf. Doch den drei Judges genügt dies nicht. Für sie ist Finnland und damit Antti der Mann fürs Superfinale. Damit hätte keiner gerechnet. Der Mann, der eigentlich dafür geboren worden ist, jeden Contest souverän zu gewinnen, scheidet schon im Halbfinale aus. Goodbye Shaun White. Enttäuschung beim Publikum? Pustekuchen! Mit „Autti“ Chören feiern die Zuschauer sein Weiterkommen und verabschieden Shaun mit demselben Enthusiasmus. Sie sind bereit für das Superfinale der Superlative. Hier treffen vier aufeinander, bei denen jeder dem anderen das Wasser reichen kann. Aber im Finale zählen nur Punkte, jetzt heisst’s jeder gegen jeden, wieder 3 Runs pro Kopf. Der komplette Stadion-Innenraum schwankt vor Menschen. David dropt unter dem Gejohle des Publikums in seinen ersten Run. Als hätte er nie etwas anderes gelernt, zwirbelt er abermals seinen Double Cork über das Kicker-Monstrum und kommt wie eine Eins in der Landung auf.

Einen kurzen Moment ist klar, dass dies der Gewinner-Trick sein muss. Doch das Glück hält nur den Bruchteil einer Sekunde. Im Übergang von Landung zu Flat zieht es den Münchner von den Beinen und der Traum zerplatzt. Er probiert es zwar noch zwei weitere Male, kann das Ruder aber nicht mehr rumreissen. Antti geht danach kurzzeitig mit einem dicken Fs 1260 Tailgrab to Sw Bs 7 in Führung, doch die wird ihm rabiat durch seinen Kumpel Risto Mattila abgenommen. Cab 1080 Nosegrab to Sw Bs 5 macht ihn mit 277 Punkten ziemlich unerreichbar. Der einzige, der jetzt noch mit einer Überraschung auftrumpfen kann, ist Travis Rice. Die Moderatoren schaffen es tatsächlich, für den letzten Heat eine Laola-Welle durch die Ränge zu schicken. So was war selbst bei einem Heimspiel des FC Bayern eine schwierige Herausforderung. Wie kann man besser motiviert werden? An zwei Double Cork 1080 Versuchen ist Travis in seinen vorangegangen Runs gescheitert. Besitzt er jetzt die Nerven und die Kreativität, dem noch einen oben drauf zu setzen?! Mit einem Kuss Richtung Publikum steuert er auf den Kicker zu. Und was macht der Typ? Double Backflip 180, sauber und überlegen. Tatsächlich hat sich Travis seine Krönung bis zum Schluss aufgehoben. So mancher würde das abgebrüht nennen. Er kommt unten bei den Speakern an und die ersten Anhänger fallen ihm in die Arme. Das Ergebnis ist jetzt schon Nebensache. Wenn er damit nicht gewinnt, ist was faul. Und am heutigen Abend ist kaum etwas faul. Hat der 1. Air&Style damals mit einem normalen Backflip für Furore gesorgt, beendet Travis Rice die 14. Ausgabe mit einem Double Backflip. 284 Punkte und damit Sieg und Ring of Glory an den Mann aus Wyoming. Als Beweis wie hart er sich seinen Sieg erkämpft hat, hält er die gebrochen Nose seines Boards in die Kamera. Erst später wird klar, dass Travis seine Nose schon beim zweiten Run gebrochen hat. Mit einem zerstörten Brett den Air&Style gewonnen, wo gibt’s denn so was? Haben wir vorhin abgebrüht gesagt? Wir verbessern uns, berechnet dürfte diesen Umstand wohl besser beschreiben.

Und plötzlich sind sie aus, die Flutlichter. Und wohin zieht jetzt die Partykarawane? Der Air&Style saugt in seinem Dunstkreis auch einiges an Abendgestaltung mit sich, das quer über die Stadt verteilt zum zechen und shaken einlädt. Mit dem Shuttlebus zur offiziellen Aftershowparty ins „4004“? Zu regulär. Mit allen Ridern zur inoffiziellen Aftershowparty ins „Nachtwerk“? Zu VIP. Oder mit Nicolas Müller zur unabhängigen NicMü-Party in die Innenstadt? Wäre schön, aber der hat sich doch bei seinem One-Footer verletzt, oder?! Der Abend hat schon sein erstes Opfer gefunden. Es werden noch einige mehr werden, im Laufe der Nacht!

Ergebnisse Snowboard Finale:
1. Travis Rice (USA)
2. Risto Mattila (FIN)
3. Antti Autti (FIN)
4. David Benedek (GER)

Ergebnisse Rookie Challenge:
1. Mikkel Bang (NOR)
2. Iouri Podladtchikov (RUS)
3. Christian Haller (SUI)
4. Marco Smolla (GER)
5. Peter König (AUT)

Air & Style 06 in Zahlen
Stahlgerüste: 355 t
Kunstschnee: 1.000 t
Höhe Startturm: 43 m
Länge Inrun: 70 m
Breite Gap: 8 m
Aufbaudauer: 2 Wochen
Anlaufspeed: über 70 km/h
LKW-Ladungen Schnee: 35 Sattelschlepper
Mitarbeiter: 120 für den Aufbau, 600 am Event-Tag, 160 für den Abbau

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