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Nicolas Wolken

Interviews

Snowboarden sollte Spaß machen – im Interview mit Nicholas Wolken

Fotos: @Patagonia/ Ray Demski

Manchmal passt einfach alles zusammen. Gute Filme, gute Gespräche und ein gemeinsamer Splitboard Tag in den Bergen. Unser österreichischer Korrespondent Gerwin war bei der Patagonia Filmpremiere in Salzburg vor Ort und hat die Gelegenheit genutzt, sich mit Nicholas Wolken zusammenzusetzen. Zuvor ging es gemeinsam auf Splitboard Tour, danach direkt in den Kinosaal und schließlich ans Mikro.

Nicolas Wolken ist vieles zugleich. Snowboarder, Mitgründer von Korua Shapes, Psychotherapeut, Patagonia Ambassador, Aktivist und jemand, der Snowboarden nicht als Sport, sondern als Lebensform versteht. Einer, der Racing gefahren ist, Freestyle ausprobiert hat, Freeriding gelebt hat und heute wieder dort angekommen ist, wo alles zusammenläuft:

Purer Spaß am Snowboarden

Das Gespräch mit Gerwin ist so ehrlich, reflektiert und ungeschönt wie Nicholas selbst. Kein Marketing Talk, kein Buzzword Bingo, sondern Snowboarden von innen heraus. Genau so, wie wir es mögen.

Nicolas Wolken

Vielen Dank erstmal, dass wir das machen können und dass du dir die Zeit nimmst. Du bist ja ein echtes Schweizer Taschenmesser – Psychotherapeut, Aktivist, Patagonia Ambassador, Co Founder von Korua Shapes und vieles mehr. Wenn du dich in einem Satz beschreiben müsstest wer Nicholas Wolken im Jahr 2026 ist. Was wäre das?

Du hast es wirklich ziemlich genau getroffen mit dem Schweizer Taschenmesser. Wie soll ich sagen. Ein bisschen müde. Es ist viel zu viel merke ich. Ich muss auch ein bisschen herunterschrauben. Vielleicht ein gebrauchtes Schweizer Taschenmesser.

Haha das kennen wir zu gut. Du bist in der Schweiz aufgewachsen, hast australische und amerikanische Wurzeln und bist früh im Rennsport unterwegs gewesen. Wie hat dieser Mix aus Herkunft und Disziplinen deinen Zugang zum Snowboarden geprägt?

Ich war sicher stark von der Schweizer Szene geprägt. Fast ausschließlich. Aus Amerika habe ich natürlich die Movies geschaut und fand es cool dass alles von dort kam wie das damals so war. Den größten Einfluss hatten aber Markus Keller, Thomas Stöckli und viele aus der Schweizer Snowboardszene mit denen ich viel Zeit verbracht habe auch schon im Sportgymnasium.

Dann habe ich auch eine Zeit lang Rails interessant gefunden und mich daran versucht. Ich habe aber schnell gemerkt dass es Spaß macht bis es weh tut. Mit Kickern war es auch mega geil bis ich mir den Rücken gebrochen habe. Ab da ist es dann nicht mehr so lustig wenn die Angst mitfährt.

Und so bin ich irgendwie durch alles durch. Ich glaube ich habe fast alles im Snowboarden eine Zeit lang gemacht. Genau das fand ich auch so spannend. Snowboarden ist so vielseitig und hat so viele Gesichter. Man kann immer wieder neue Dinge entdecken. Wahrscheinlich snowboarde ich genau deswegen immer noch.

Weil einfach alles drin ist.


Nicholas Wolken

Nach Racing Freestyle und Freeriding bist du heute wieder stark bei Turns, Flow und spannende Lines angekommen. Was hat dich zurück zu dieser Essenz des Snowboardens geführt?

Es ist schon auch so dass das Alte wieder neu wird. Es liegt einfach in der Natur der Dinge dass Sachen irgendwann nicht mehr weiter wachsen sondern sich zurückentwickeln oder stabil bleiben. So ist es auch mit der Koordination.

Die Bereitschaft alles aufs Spiel zu setzen um einen neuen Trick zu lernen lässt mit der Zeit nach. Andere Dinge werden wichtiger als mit 20 wo es oft nur darum geht sich zu beweisen oder zu schauen wo das Limit liegt. Ich glaube das hat mich ein bisschen zurückgeführt.

Turns & Carven dieses Gefühl habe ich eigentlich immer gemocht. Aber eine Zeit lang war das überhaupt nicht cool. Man durfte ja fast nicht sagen dass man Carven geht.

Nicholas Wolken

Ihr habt das mit Korua Shapes sicher auch wieder cool gemacht oder?

Vielleicht haben wir ein bisschen dazu beigetragen. Ich glaube in Japan ist schon viel passiert und auch schon lange da gewesen. Das war eine riesige Inspiration für uns. In Europa war davor aber nicht viel. Klar es gab Carven immer aber vielleicht haben wir es geschafft dass andere es auch wieder als cool sehen oder in einem anderen Licht wahrnehmen.

Als Psychotherapeut beschäftigst du dich intensiv mit Wahrnehmung Verhalten und inneren Prozessen. Inwiefern beeinflusst dieses Wissen dein Snowboarden und die Art wie du am Berg unterwegs bist?

Ich glaube es beeinflusst eher subtil wie ich mit meinen Leuten draußen umgehe und wie ich mit mir selbst umgehe. Die Haltung die ich mir selbst gegenüber habe wenn ich Fehler mache oder mit einer falschen Attitüde unterwegs bin. Das auch zu akzeptieren dass das da ist.

Aber es ist jetzt nicht so dass ich deswegen andere Turns fahre. Im Wesentlichen mache ich einfach das was sich gut anfühlt. Und ehrlich gesagt würde es sich vielleicht auch gut anfühlen wenn ich ein Arschloch wäre was manchmal auch vorkommt.

Ich glaube es hat schon einen Einfluss aber eher auf eine feine subtile Art. Im Backcountry vielleicht etwas mehr als im Resort.

Nicholas Wolken

Wie übersetzt sich diese Verbindung zwischen Mensch und Natur ganz konkret in dein Riding?

Es beeinflusst weniger mein Fahren als vielmehr die Erfahrung draußen zu sein. Ich fühle mich oft geborgen in der Natur und gleichzeitig lebendig. Das klingt kitschig aber es stimmt einfach.

Natürlich ist das auch romantisch gedacht denn Berge können brutal sein und abstoßend. Es gibt Momente wo man einfach nur schnell wieder weg will zurück in eine warme Wohnung. Aber je mehr Zeit man draußen verbringt desto größer wird die Wertschätzung. Ohne Beziehung zur Natur wird es schwierig.

Du hast mal gesagt jeder Hang ist eine Leinwand. Was macht für dich einen guten Turn aus unabhängig davon ob Powder oder Piste?

Am Ende geht es darum dass es sich gut anfühlt. Snowboarden ist nicht so tief. Es geht darum dass du zufrieden bist mit dir selbst und Spaß hast. Es gibt im Leben genug Dinge die schwierig sind. Snowboarden sollte Spaß machen. Wenn es Spaß macht dann ist der Turn perfekt.

Nicholas Wolken

Mit Korua Shapes entwickelt ihr bewusst unkonventionelle Board Designs. Wie entsteht bei euch eine neue Shape Idee?

Ganz unterschiedlich. Oft kommen Inputs von verschiedenen Fahrern. Bei Freestyle orientierten Shapes sind andere Leute stärker involviert. Jerry hat auch einen großen Einfluss. Es ist immer Teamwork bei Korua.

Manchmal ist es einfach Neugier. Wie würde sich das fahren. Wäre das überhaupt möglich. Beim Splitboard zum Beispiel wird es dann sehr technisch. Wie bekommen wir mehr Grip beim Aufstieg. Wie reduzieren wir Gewicht. Das sind ganz konkrete Fragestellungen.

Viele eurer Shapes wirken reduziert fast puristisch. Was möchtest du Snowboardern vermitteln wenn sie zum ersten Mal auf einem Korua Board stehen?

Ich bin da ehrlich gesagt ziemlich egoistisch. Wir designen die Boards in erster Linie so dass wir sie selbst geil finden. An die Masse denken wir dabei nicht wirklich.

Natürlich zeigen wir die Boards intern herum holen Feedback ein schlafen eine Nacht drüber ändern Dinge. Aber Korua ist aus einer Freundesgruppe entstanden die einfach das gemacht hat worauf sie Lust hatte.

Patagonia

Als Patagonia Ambassador und Aktivist setzt du dich klar für Umwelt und Nachhaltigkeit ein. Wo siehst du aktuell die größte Verantwortung in der Snowboard Industrie?

Wichtig ist nicht mit dem Finger auf andere zu zeigen. Sobald man sich engagiert wird man schnell selbst zur Zielscheibe. Das bringt nichts weil es blockiert.

Es geht um viele kleine Schritte. Nachhaltigere Boards längere Haltbarkeit neue Materialien. Aber auch ehrliche Fragen. Müssen wir Leute animieren nach Alaska oder Japan zu fliegen. Da sind wir natürlich auch nicht frei von Widersprüchen.

Snowboarding hat sich stark verändert. Gibt es Dinge die du vermisst und Dinge über die du dich heute freust?

Die Szene ist immer noch mega. Ich vermisse manchmal einfach mehr Zeit mit Freunden weil ich viel unterwegs bin. Aber ich finde es schön dass Snowboarden die Zeit überdauert.

Wenn ich nach Laax gehe und neue Trends sehe fühle ich mich zwar alt aber auch irgendwie verbunden. Ich kann mich gut hineinversetzen wenn ich die Kids mit riesigen Baggy Pants sehe.

Nicholas Wolken

Was bedeutet Splitboarden für dich?

Wenn ich meine Karriere an den Nagel hängen würde würde ich nur noch Splitboarden. Das ist meine größte Passion. Ich gehe nicht bei allen Bedingungen raus aber diese Art von Snowboarden bedeutet mir am meisten.

Ins Resort gehe ich privat kaum noch. Ich bin lieber draußen mit Freunden oder alleine unterwegs.

Glaubst du Splitboarden wächst weiter oder hat der Trend seinen Peak erreicht?

Ich habe das Gefühl die wirklich dedizierten Splitboarder werden mehr. Nach Covid ist die Bubble geplatzt. Viele haben es probiert und wieder aufgehört. Aber die die geblieben sind sind sehr committed.

Ich sehe immer mehr Leute mit Hardboots auf den Skin Tracks. Das ist nichts für Einsteiger. Und trotzdem sieht man immer mehr davon. Splitboarden lebt.

Ist Splitboarden die neue Rebellion?

Ein Stück weit schon. Es ist eine Form von Emanzipation. Eine Gegenbewegung zu Resorts Massenbetrieb und absurden Liftpreisen. Für mich ist es oft die Lösung. Es gibt immer noch so viele Berge und selbst in bekannten Gebieten findet man frische Lines.

Phil Young und Nicholas Wolken
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