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Blickwinkel: Johannes Brenning

Der Helgason Filmer über „Coach Thunder“, sein Faible für Unverdautes und den erfolgreichsten Videoblog der Szene.

TEXT/INTERVIEW: Meike Vetter
FOTOS: Sebastian Gogl 

Helgasons.com ist jedem, der sich für Snowboarden interessiert, ein Begriff. Die isländischen Brüder gehören zu den weltbesten Fahrern und haben – insbesondere durch ihren Blog – seit Jahren eine treue Fangemeinde. Doch wer hat sie auf dem steilen Weg nach oben begleitet? Wer ist der Mann hinter der Kamera, der durch skurrile Ideen und verrückte Edits den Weg ebnete? Zwar hat man von Johannes schon einiges gehört, doch wollten wir einmal seine persönliche Sicht auf die Jungs, ihren Videoblog und diverse Geschäftsideen erfahren.

›Du bist der Kopf hinter den Helgason Brüdern. Wie kam’s soweit: Schicksal, Zufall oder lag es an deiner unwiderstehlichen Persönlichkeit, dass die Jungs sich mit dir zusammengetan haben?[lacht] Schwer zu sagen… Ich wusste, dass ich filmen möchte, aber nicht nur einen regulären Videopart pro Jahr. Es gab damals noch nicht viele Online-Clips und viele Fahrer waren gar nicht daran interessiert ständig zu filmen, sondern wollten lediglich ihre besten Shots veröffentlichen. Dann habe ich Halldor getroffen, zu dieser Zeit ein verrücktes Kind. Kurz darauf fing er an zu trinken, auszugehen und auf einmal erfüllte er genau meine Vorstellungen. Er war schon immer ein Typ der viel lachte, als er dann anfing Party zu machen, erreichte er langsam mein Level. Halldor war in seinem dritten Jahr auf der Snowboardschule in Schweden, als wir zu filmen anfingen.

›Lass uns von vorne anfangen. Was hast du gemacht, bevor ihr Helgasons.com gestartet habt? ›Ich war mehr am Snowboarden interessiert, als am Filmen. Im Sommer arbeitete ich meist als Lagerarbeiter, um so viel Geld als möglich für den Winter zu verdienen. Ich habe es gehasst und wurde regelrecht depressiv, hatte so jedoch die Möglichkeit mich zu finanzieren. Nach und nach bekam ich Interesse am Filmen, kaufte eine Kamera, wusste aber lange nicht genau was ich da eigentlich tat. Ich glaube ich hatte verdammt viel Glück, dass sich alles zum Positiven entwickelte.

›Stimmt es, dass der Videoblog damals deine Idee war? ›Nicht ausschließlich. Noch immer kommen viele Ideen von Eiki und Halldor und oft habe ich Vorschläge, die sie nicht wollen. Insbesondere Halldor ist ein Experte darin zu erkennen, was gut ist und was nicht. Schlage ich zum Beispiel Songs vor, die er zum Kotzen findet, benutzen wir sie nicht. Einige Zeit später merke ich dann meist, dass er absolut Recht hatte.

›Hattest du je Angst, dass die ganze Aktion gründlich in die Hose gehen könnte und sich keiner für eure Clips interessieren würde? ›Klar, macht man sich immer ein stückweit Gedanken, ob man die ganze Geschichte irgendwann an die Wand fährt, aber generell sehe ich das Ganze aus einer anderen Perspektive: Wenn ich einen Edit mit Eiki und Halldor mache, überlege ich, was meine engen Freunde davon halten würden, anstatt mir Gedanken über die breite Masse zu machen. Dass wir damit Erfolg haben ist mehr ein Bonus.

›Glaubst du, der Blog hätte auch mit anderen Fahrern funktionieren können? ›Nein, auf keinen Fall! Auf der einen Seite sind beide unglaublich talentierte Snowboarder, auf der anderen Seite sind sie verdammt lustig. Im Vergleich zu anderen ist es ihnen egal, ob man ausschließlich ihre besten Shots sieht oder generell wie sie snowboarden – solange es Spaß macht.

›Kannst du uns Eiki und Halldor kurz aus deiner Sicht beschreiben? ›Nick [Olsen, Anm. d. Red.], Halldors ehemaliger Teammanager bei DC, hat einmal etwas sehr Treffendes über ihn gesagt: „Ich habe noch nie jemanden getroffen, der so viel lacht wie Halldor.“ Das stimmt absolut und es beschreibt seinen Charakter perfekt, er lacht einfach die ganze Zeit. Er macht sich nicht viele Gedanken, sondern nimmt die Dinge locker. Er ist zwar verdammt smart wenn es um Arbeitsthemen geht, aber wenn er snowboardet ist er vollkommen easy und stresst sich nicht. Eiki ist das Gegenteil. Er ist ein Denker, der die Dinge geplanter angeht. Zwar ist auch er total lustig, aber es ist verdammt schwer, das auf Helgasons.com zu zeigen, weil seine Witze ziemlich, wie soll ich sagen, „derb“ sind [lacht]. Die kann man nicht wirklich veröffentlichen…

›Wer hat bei euch drei die Hosen an? ›Der, der die besten Argumente hat. Wenn es ums Snowboarden geht, entscheiden natürlich sie, ich kann ihnen nicht sagen was sie tun oder lassen sollen. Bei dem ganzen Rest ist es ziemlich ausgeglichen, es gibt keinen wirklichen „Boss“ bei uns…

›Eiki und Halldor haben sich mit dieser Plattform eine goldene Nase verdient, durch ihren Erfolg mehrere Firmen gegründet und fette Sponsoren abgeräumt. Wie profitierst du von eurem Erfolg? ›Am meisten habe ich davon profitiert, dass ich mir einen Namen in der Industrie machen konnte. Heute würde ich vermutlich den einen oder anderen Job bekommen, sollte ich mich je entscheiden Helgasons.com aufzugeben. Mein Bekanntheitsgrad ist definitiv gestiegen.

›Von den Jungs weiß man, dass sie ordentlich Kohle verdienen. Wie sieht’s mit dir aus? ›Mir war es wichtig, dass wir mit Helgasons.com einen Deal fahren, der es mir ermöglicht davon zu leben und glücklicherweise ging dieser Plan auf. Seit wir die Filme machen läuft es richtig gut. Wir sind sehr zufrieden mit unseren Sponsoren, aber für die Industrie ist es immer noch neu einen Videoblog zu unterstützen. Die meisten Brands sind es gewohnt in Filme zu investieren, aber noch nicht bereit sich auf neues Territorium zu wagen.

›Glaubst du, die Beiden haben ihre Karrieren ein Stück weit dir und deinen Ideen zu verdanken?›Das kann man ebenso von der anderen Seite sehen: Wo würde ich heute stehen ohne Eiki und Halldor? Ich mag für manche Kids „der beste Filmer“ sein, aber nur weil ich mit ihren liebsten Fahrern filme und nicht, weil ich etwas anderes mit meiner Kamera anstelle als andere Filmer. Wir haben definitiv alle gewonnen, aber ich denke ich noch ein bisschen mehr als sie [lacht] .

›In der Snowboard-Szene bist du bekannt wie ein bunter Hund, langsam wird dir auch in den Medien Aufmerksamkeit geschenkt. Warum? ›Weil ich Coach Thunder kreiert habe, die meisten mögen ihn viel mehr als mich! Er wird ständig und überall erwähnt. Aber das ist Teil meines Plans: Ich versuche mir einen Namen in der Szene zu machen und Thunder hat mir sehr dabei geholfen!

›Erklär uns das kurz: Wer ist „Thunder“ und wann erschien er erstmals auf der Bildfläche? ›Ich wollte etwas Spezielles für die X-Games machen. Meine ursprüngliche Idee war es ein Lobster-Kostüm zu besorgen, aber dann kamen wir auf die Coach-Idee. So gut vorbereitet wie bei den X-Games war ich allerdings nie wieder. Damals hatte ich neben meinem Kostüm einen Flachmann mit Whisky, eine Zigarre und ein Klemmbrett samt Strategieplan für Halldor dabei. Die ESPN Leute waren total relaxt, bis ich Halldor den Flachmann reichte und er einen Schluck nahm, da wurden sie etwas nervös. Todd Richards [Kommentator der X Games, Anm. d. Red.] meinte es wäre das Coolste gewesen, was in diesem Jahr an den X-Games passiert sei. Ich muss definitiv an dem Charakter arbeiten, denn wenn ich „Thunder“ bin muss ich hart und angsteinflößend sein, glaube ich zumindest…

›Hat „Thunder“ überhaupt eine Ahnung vom Snowboarden? ›Gut, dass du fragst! Falls Halldor sich für die Olympischen Spiele qualifiziert und man „Thunder“ inmitten der anderen Coaches sieht, wird jeder merken, dass er sich eigentlich über das ganze Coach-Dasein lustig macht. Die meisten Snowboarder brauchen niemanden, der ihnen sagt wie sie die Dinge tun sollen, eher fragen sie sich gegenseitig anstatt jemanden, der keine Ahnung von der eigentlichen Materie hat. Die habe ich zwar auch nicht, aber das habe ich auch nie behauptet.

›Bist du lieber Johannes oder „Thunder“? ›Wenn ich betrunken bin, ist es super „Thunder“ zu sein, weil alle total ausrasten. Einmal war ich allerdings nüchtern im „Thunder“-Kostüm unterwegs: Das war keine gute Idee [lacht]. Aber wenn ich trinke ist es super, generell bin ich, glaube ich, beides sehr gerne…

›Man sagt, „Genie und Wahnsinn liegen nahe beieinander“. ›Hey Danke, „Genie“ ist ein ziemlich starkes Wort… aber ich hoffe, dass ich nicht verrückt bin [lacht]. Ich glaube das muss ich jedoch selbst noch herausfinden…

›Worin unterscheidet ihr euch von anderen Produktionen? ›Wir hatten immer das Ziel anders zu sein und machen das, worauf wir gerade Bock haben. Zwar hätten wir alles viel ernster aufziehen können, mit Trick Tipps und Edits in denen man erklärt, wie man snowboardet, aber wir haben es bewusst gelassen, weil es uns selbst nicht unterhalten hätte. In gewisser Weise ist das wohl der Schlüssel zum Erfolg: Die Leute sehen, dass wir Spaß haben. Unser Hauptziel war es nicht berühmt zu werden und viel Geld zu verdienen, sondern uns treu zu bleiben und Dinge zu machen, die uns überzeugen.

›Welcher Clip hat euch die höchsten Views beschert? ›Definitiv unser Film „Sexual Snowboarding“ und dann der Teaser für den Film, aber es gibt auch einige ältere Edits, die über 40.000 Views haben.

›Wie erklärst du dir das hohe Interesse daran? ›Ganz klar, weil es geniale Edits von mir sind [lacht]! Nein, es gibt viele Gründe, einer ist zum Beispiel ein gutes Startbild. Wenn man ein Mädel darin hat, bekommt man gleich eine Menge Views.

›…oder jemanden beim Kotzen. ›Ja manchmal, aber viele Amerikaner zum Beispiel finden Kotzen total ekelerregend. Ich dagegen liebe Kotzen, ich klicke immer Play wenn ich jemanden kotzen sehe. Explosionen, Girls und Kotze bringen Klicks!

›Gibt es einen Punkt an dem du die Kamera ausschaltest? ›Wenn irgendwelche Partys zu sehr aus dem Rahmen geraten. Aber nur, wenn andere involviert sind, denen es peinlich wäre, dass sie beispielsweise mit Mädels rummachen oder samt Klamotten in der Dusche stehen. Halldors Aktionen versuchen wir immer festzuhalten, so auch am freestyle.ch als er gleich zwei Mal durch den Brunnen vor dem Hotel geschwommen ist [lacht].

›So gesehen seid ihr die perfekte Verkaufsmaschine: Party, Boobs und Snowboard-Action! ›Ja, aber eigentlich wäre es gut, auch ohne Mädels im Startfenster Klicks zu bekommen.

›Aber so läuft’s – Sex sells… ›Stimmt, vielleicht sollten wir uns selbst Boobs zulegen? Wie cool wäre Halldor mit Silikontitten… [lacht]?

›Super Idee! Was halten eigentlich deine Eltern von deiner Arbeit? ›Die sind total stolz auf mich, aber eigentlich wissen sie nicht so wirklich was wir machen. Einige Clips schauen sie sich an, aber viele auch nicht. Sie finden es toll, dass ich etwas mache was mir Spaß bereitet und ich damit mein Geld verdiene.

›Was denkst du über klassische Video-Produktionen? ›Ich muss sagen, ich schaue mir fast alle Videos gerne an – nicht alle, aber die meisten. Insbesondere Videograss ist super gut und ich finde Think Thank haben das gesamte Snowboardfilm-Konzept sehr stark verändert, bekommen aber vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit dafür.

›Sind reine Actionvideos, die einmal jährlich erscheinen, noch zeitgemäß? ›Absolut. Ein gesamter Film bleibt stärker im Gedächtnis als einzelne Onlineparts. Aber ihn lediglich auf DVD herauszubringen ist, meiner Meinung nach, überholt. Es gibt Core-Fans die sich Filme kaufen, um ihre Sammlung zu erweitern, aber das ist leider nur ein sehr kleiner Teil. Die meisten ziehen ihn sich illegal aus dem Netz.

›In welche Richtung wird sich deiner Meinung nach das Filmbusiness in Zukunft entwickeln? ›Vermutlich wird sich mehr und mehr online abspielen, ein erster Schritt ist bereits der Download via iTunes. Ich allerdings finde es macht Sinn, etwas mehr Geld von jedem einzelnen Sponsor zu verlangen und den Film so kostenfrei im Internet zur Verfügung zu stellen. Dadurch erreicht man ein breiteres Publikum, wovon alle Beteiligten profitieren.

›So wie Halldor immer am Lachen ist, bist auch du ein fröhlicher Kerl. Habt ihr ein Geheimnis fürs Glücklichsein? ›Ein gut gemeinter Rat ist, sich nicht über alles Gedanken zu machen, die meisten Dinge erledigen sich von selbst! Früher habe ich versucht eine Art Mentor für Halldor zu sein, aber seine „Alles-wird-gut“-Einstellung hat überwogen und mich schlussendlich überzeugt. Wir sind nette Jungs und tun niemandem etwas Böses, dadurch gibt es keinen Grund uns zu hassen, aber es wird immer Menschen geben, die uns nicht leiden können.

›Wahre Worte. Was können wir in Zukunft von euch erwarten? ›Für Helgasons.com planen wir einige wiederkehrende Rubriken, bei denen man so vorher bereits weiß, was einen erwartet. Darüber hinaus planen wir Edits von anderen Fahrern zu präsentieren und einen weiteren Film zu produzieren. Helgasons.com soll weiter ausgebaut werden, insbesondere nach dem vergleichbar schlechten letzten Jahr, in dem Eiki und Halldor verletzt waren. In der kommenden Saison wird Helgasons.com wieder Gas geben und das beste Jahr überhaupt verbuchen!

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