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Special

Grosses Kino 2009

Herbstzeit ist Premierenzeit. Und Premierenzeit heisst Stress für die Produktionscrews. Der letzte Schnitt ist gemacht und die erste Master-DVD kommt gerade glühend heiss aus dem Brenner, da geht es auch schon auf Tour durch etliche Clubs in aller Herren Länder, um der wartenden Öffentlichkeit das neueste Machwerk zu präsentieren.

Bei Redaktionsschluss waren die meisten DVDs noch nicht mal fertig und es gab sie noch lange nicht auf legalem Wege zu kaufen. Da uns aber die Vorfreude nicht mehr ruhig hat schlafen lassen, sind wir losgezogen, haben uns in die Büros der Produktionsfirmen geschlichen und wie kleine Kinder vor Weihnachten mit weit aufgerissenen Augen durchs Schlüsselloch gespäht. So können wir euch schon jetzt, bevor die grosse Welle der Snowboard-Videos den Markt wieder überfluten wird, berichten, welcher Flick sich für das Warm-up auf den vor der Tür stehenden Winter am besten eignet. Willkommen im grossen Kino!

Neverland
By Absinthe Films

Über den Film: Ob die Absinthe-Crew ihren neuesten Streifen „Neverland“ taufte, um damit an die Heimat von Peter Pan, die Insel, auf der Kinder niemals erwachsen werden, oder an das Anwesen des gerade verstorbenen King of Pop zu erinnern, können wir nicht genau sagen. In beiden Fällen aber steht „Neverland“ für einen Ort, an den man sich zurückziehen kann, an dem Träume wahr werden und man immer Kind sein darf. Und genau an solche Orte wollen uns die Herren Armbruster und Hostynek mit ihrem neuesten Werk mitnehmen. Am besten gelingt ihnen das direkt mit dem ersten Part. Anhand der Vegetation erkennt man zwar, dass die Aufnahmen mit Nicolas Müller, Kevin Pearce und Eero Ettala aus Japan stammen müssen, aber genau so stellt sich wohl jeder Snowboarder sein „Ne-verland“ vor: eine Spielwiese mit feinstem hüfthohen Pow-Pow, schneebehangenen Ästen und Pillows mit Zuckerlandungen. Auf ähnlicher Spielwiese tobt sich auch Wolle Nyvelt aus, nur dass er seine Powder-Lines wieder ohne Bindung zieht. Wolle hat sein Riding mit dem Snurfer mittlerweile so perfektioniert, dass einem sogar bei Backside 360’s oder Cliff Drops der Unterschied zu einem normalen Board mit Bindung kaum auffiele, würde sich das Ding bei einem Sturz nicht ab und zu selbstständig machen. Da auch dieser Absinthe-Film wieder einmal nur so vor snowboard-technischen Highlights strotzt, fällt es schwer, besondere Schmankerl herauszupicken. Erwähnt werden sollten aber auf jeden Fall noch die Parts von Rückkehrer Travis Rice sowie der Absinthe-Neuzugänge Dan Brisse und Bode Merrill, der unserer Meinung nach völlig zu Recht gleich bei seinem Debüt den Schluss-Part absahnt. Ex-Pirate Dan zeigt ewig lange Straight- und Triple-Kink-Rails, Double Inverted Frontside 9’s auf Backcountry-Kickern bis hin zu Bomb Drops und Parkhaus-to-Lager-Hausdach-Transfers und liefert so den vielseitigsten Part des Films. Etwas enttäuscht wird man auf den ersten Blick vielleicht von Travis’ Part, der es nach seinem Megaerfolg mit „TITA“ im letzten Jahr aber auch äusserst schwer hat, in die eigenen Fussstapfen zu treten. Trotz Double Backside Rodeo 1080’s und geilen Pillow Transfers bleiben doch eher Bilder wie die Powder-Line mit Nose to Tail to Nose Butter und das etwas fragwürdige Intro hängen. In diesem schwingt sich Travis in engen schwarzen Reiterhosen und Pelzmütze auf einen Schimmel und reitet durch die Prärie. Na ja, wenn man so schneller nach Neverland kommt, springen wir gerne mit auf. (lb)

Musik: Perfekt passend zum Filmtitel und zu den Aufnahmen des ersten Parts kommt der Opener „Baba O’Riley“ von The Who: ein Song über das „Teenage Wasteland“, ein Zufluchtsort und ein Platz, um sich auszuleben, genau wie Neverland. Auch wenn die Musik manchmal etwas fehlplatziert wirkt, passen zumindest die Lyrics der Songs zu den jeweiligen Aufnahmen und Fahrern wie die Faust aufs Auge. Travis reitet auf seinem Pferd und im Pow zu „Head Honcho“ (heisst auf Deutsch so viel wie „der Boss“) von Gown und Turbonegro machen Bode Merrill zum „Prince of the Rodeo“. Die anderen Tracks kommen unter anderem von den Dead Kennedys, Jane’s Addiction und The Specials. Wo man also hinschaut bzw. -hört: satter Gitarren-Sound – nicht einmal Marc Frank Montoya darf in seinem Part zu fetten Beats bouncen.

Fazit: Obwohl „Neverland“ mit Snowboard-Action der Extraklasse voll gepackt ist und das Lineup der Fahrer wohl das beste ist, das es in diesem Jahr auf DVD zu sehen gibt, lässt der Film an manchen Stellen Wünsche offen. Nach einem Part mit Nicolas Müller zu Beginn, der den Spass am Snowboarden nicht besser rüberbringen könnte, gibt es einige Abschnitte des Films, die ein wenig langatmig wirken, was an der nicht immer 100-prozentig passenden Musik liegt. Dazu stellt man sich die Frage, warum nur Travis ein Intro bekommt und für Abwechslung sorgende Lifestyle-Shots fast ganz fehlen. Filmtechnisch und actionmässig hat Absinthe aber wie in jedem Jahr einen Film geliefert, den man einfach gesehen haben muss, um überhaupt mitreden zu dürfen.

Fahrer: Nicolas Müller, Travis Rice, Gigi Rüf, Eero Ettala, Kevin Pearce, DCP, Romain De Marchi, JP Solberg, Dan Brisse, Bode Merrill, Phil Damianakes, Cale Zima, Wolle Nyvelt, Wille Yli-Luoma, Mark Carter, Jules Reymond, Marie-France Roy, Annie Boulanger, Marc Frank Montoya, Sylvain Bourbousson

DVD-Bonus: ja
Spiellänge: 47 Minuten
Preis: 23,90 Euro
Website: www.absinthe-films.com

Soundtrack:

Opening Sequence:

http://www.youtube.com/watch?v=p-G3x0IdSZo

Japan:

http://www.youtube.com/watch?v=x2KRpRMSu4g

Pigs:

http://www.youtube.com/watch?v=22Ia1Ed6ohM

Annie Boulanger:

http://www.youtube.com/watch?v=x3W4eSTg9gw

Marie-France Roy

http://www.youtube.com/watch?v=xQ94krsqFHg

Dan Brisse:

Early Man – War Eagle

Sylvian Bourbusson & Phil Damianakes:

http://www.youtube.com/watch?v=oWMIXgCaJPQ

MFM & Wille Yli-Luoma:

Justin Beenee

Cale Zima:

http://www.youtube.com/watch?v=PJXb92inkx4

Travis Rice & Mark Carter:

http://www.youtube.com/watch?v=cohbt9nr0BM

Bosco-Guron:

http://www.youtube.com/watch?v=rhc7rVF3e_4

Gigi Rüf:

http://www.youtube.com/watch?v=fviBi1a0FCI

Wolle Nyvelt & Jules Reymond:

http://www.youtube.com/watch?v=gqvBoFpgXQA

Bode Merrill:

http://www.youtube.com/watch?v=oiGDA7JIZKc

Closing Credits:

http://www.youtube.com/watch?v=vQRKpuOgY8c

The B
By Burton Snowboards

Über den Film: Wenn der Weltmarktführer in Sachen Snowboarding ein neues Team-Movie auf den Markt wirft, teilen sich die Meinungen: Die einen gehen von einem zweitklassigen Promo-Video mit reichlich Selbstbeweihräucherung aus, die anderen erwarten einen Top-Film mit einigen der besten Snowboardern der Welt. Im Gegensatz zu anderen Produktionen, die sich gerne auf ein oder zwei Terrains beschränken, profitiert Burton von seinem breit aufgestellten Team: Egal ob Kicker, Pipe, Rails oder Big Mountain, für jedes Einsatzgebiet steht mindestens ein Top-Shredder bereit. Da hätten wir zum Beispiel Jeremy Jones’ Ziehkind Keegan Valaika, der mit harten Nüssen und reichlich Skate-Style an die Wurzeln des Freestyle-Snowboardings erinnert. Apropros Skate-Style: Shaun White hat den wohl genialsten Halfpipe-Part ever! Ein Double Cork jagt den nächsten und dank fulminanter HubschrauberAufnahmen ist alles perfekt auf Band festgehalten. Nicolas Müllers Riding lässt sich auf genau drei Worte reduzieren: Big Mountain Freestyle. Und wenn man vom Gipfel bis ins Tal wirklich alles mitnimmt, was sich einem in den Weg stellt, braucht man auch wegen der CO2-Emissionen des Helikopters kein ganz so schlechtes Gewissen mehr zu haben. Der vorletzte Part des Films geht an – den jibbenden – Jeremy Jones. Zu Metallica zeigt Jeremy unter anderem einen Wallride Backflip (!) out. Wirklich innovativ wird es aber erst, wenn Jeremy Jones one-footed unterwegs ist. Und als wäre das nicht schon hart genug, wurde die Bindung speziell so präpariert, dass sie sich noch drehen lässt. Das Resultat sind 360° Shove-its, wie man sie noch nicht gesehen hat: Völlig egal, ob aus einem Wallride heraus, nach einem Boardslide an einer Beton-Ledge oder am Powder-Kicker, das Board ist immer bereit für eine Drehung um die eigene Achse! Als die letzten Girarrenklänge verstummen, ist es Zeit für das grosse Finale des Films. Man hat keine Kosten und Mühen gescheut und einen gigantischen Schneeberg in Form eines grossen B in die Landschaft gesetzt. Der Clou: Das B ist näher betrachtet als Kicker, Corner und Quarterpipe zu fahren, rechts und links davon befinden sich noch diverse Rails. Klar, dass bei einer solchen Aktion fast das komplette Team am Start ist. Die Jungs und Mädels rocken den Buchstaben in Grund und Boden und haben dabei eine Menge Spass in den Backen, der sich wiederum sofort auf den Zuschauer überträgt. (fk)

Musik: Ähnlich breit gefächert wie die verschiedenen Styles im Burton-Team ist auch der Soundtrack. Vom French-House-Duo Justice bis hin zu harten Gitarrenklängen von Metallica wird hier nahezu jeder Geschmack bedient. Die vertretenen Bands wie zum Beispiel The Growlers, The Swan, The Jackson Sisters, The Charlatans UK, The Morning Benders, Nicole Willis and The Soul Investigators, The Chesterfield Kings, das Electric Light Orchestra und Bishop Allen sorgen für Abwechslung und werden bestimmt öfter aus den zu laut aufgedrehten Kopfhörern des einen oder anderen Snowboarders zu hören sein.

Fazit: Anders als bei vielen anderen Team-Movies hat man bei Burton anscheinend nicht auf B-Shots aus anderen Produktionen gesetzt, sondern hochwertiges eigenes Material produziert. Das macht sich bezahlt: „The B“ ist alles andere als ein mittelmässiges Promo-Video und muss sich nicht hinter den Filmen reiner Produktionsfirmen verstecken. Gutes Snowboarding von Top-Ridern wird sauber in Szene gesetzt und hinterlässt so einen bleibenden Eindruck. An „The B“ wird diesen Winter niemand vorbeikommen!

Fahrer: Danny Davis, Marko Grilc, Terje Håkonsen, Kim Rune Hansen, Jeremy Jones, Federik Kalber-mat-ten, Kazuhiro Kokubo, Stephan Maurer, Jack Mitrani, Luke Mitrani, Nicolas Müller, Jussi Oksa-nen, Kevin Pearce, Charles Reid, Mikey Rencz, Mark Sollars, Chris Sörman, Keegan Valaika, Shaun White, Mason Aguirre, Sani Alibabic, Mikkel Bang, Ellery Hollingsworth, Mads Jonsson, Kyle Mack, Spencer O’Brien, Gabi Viteri, Natasza Zurek

DVD-Bonus: ja
Spiellänge: 38 Minuten
Preis: 30,99 Euro
Website: www. burton.com

Soundtrack:

Intro & Outro:

Wojaln Bros Music

http://www.youtube.com/watch?v=gQLEj2cLXqk

The Growlers – Barnacle Beat

http://www.youtube.com/watch?v=7xNPcC-JPLU

http://www.youtube.com/watch?v=hBBzrHXu1Fg

http://www.youtube.com/watch?v=G8f3RcKEhdA

http://www.youtube.com/watch?v=GvFQgmsTkCg

http://www.youtube.com/watch?v=LbIhScab72E

http://www.youtube.com/watch?v=qjmAy8Mn6PU

http://www.youtube.com/watch?v=v6kb5fvv6_A

http://www.youtube.com/watch?v=ZRnDW97nEXc

http://www.youtube.com/watch?v=_LpmrZbTu1o

Elektro
By Alterna Action Films

Über den Film: Wir wissen zwar nicht, ob die Produzenten von Alterna schon mal was vom KISS-Prinzip (Keep It Sweet and Simple) gehört haben, aber so könnte man den Film beschreiben: einfach, aber gut! „Elektro“ ist das beste Beispiel dafür, dass weder ein Double Cork dem nächsten folgen noch dass man sein Geld für Trips nach Alaska und teure Heli-Stunden ausgeben muss, um einen 1a Snowboard-Streifen zu produzieren. Die Namen der anderen Fahrer neben Matt Beardmore, Mikey Rencz, Tadej Valentan und Eero Niemela werden wahrscheinlich denjenigen, die sich nicht tagtäglich mit der Materie Snowboarden befassen, nicht sehr viel sagen, aber auch oder gerade Jungs wie Matt Belzile, Chris Rasman und J.F. Fortin zeigen, wie viel Spass Snowboarden macht. Wer braucht da schon einen Travis Rice oder Jeremy Jones? Passend kommt auch ein spöttischer, nicht ganz ernst gemeinter Kommentar in deren Richtung von Mikey Rencz, als während des Kicker-Schaufelns ein Heli vorbeifliegt: „Travis Rice must be killing it today!“ Das Alterna-Team hat nicht die ganz grossen Big Names am Start, trumpft aber durch eine solide Teamleistung auf, die zudem in hoch qualitativen HD-Aufnahmen festgehalten ist. Angefangen von Matt Beardmore über Matt Belzile mit seiner Helm-Cam bis hin zu Mikey Rencz im letzten Teil haben alle Fahrer gleich starke Parts, so dass es unpassend wäre, hier einen hervorzuheben. Als einziges weibliches Mitglied der Alterna Crew sollte man aber doch die deutsche Vera Janssen erwähnen, die erstens, wie man anhand der Bails sieht, ziemlich was einstecken kann und zweitens sich mit ihren Backcountry-Skills hinter keinem ihrer männlichen Kollegen zu verstecken braucht. Auch der Road Trip nach Slowenien, der Heimat von Tadej Valentan, bleibt hängen und zeigt, wie sympathisch die Crew ist. Der erste gestandene 360° eines jungen slowenischen Skifahrers wird gefeiert wie ein gestickter Cab 9. Neben grundsolidem Snowboarden bringen gute Lifestyle-Shots zusammen mit lustigen Intros und Kommentaren die nötige Abwechslung, dazu kommt der gute Cut gepaart mit einer passenden Musikauswahl. (lb)

Soundtrack:

Intro:

http://www.youtube.com/watch?v=Gl2v0SDX5D4

Beardmore:

http://www.youtube.com/watch?v=HUaFmt3wX1k

Niemela Chanut:

http://www.youtube.com/watch?v=PGROp5a2sUg

Belzille:

http://www.youtube.com/watch?v=DpiI-P152pc

Valentan:

http://www.youtube.com/watch?v=rbG06K9kKGw

Slovenia:

http://www.youtube.com/watch?v=My7Z3A6v2MY

Rasman:

Chin Injeti – Everybody know me

Fortin:

http://www.youtube.com/watch?v=ub4c6cWoYu4

Beaulieu Janssen:

http://www.youtube.com/watch?v=Y35YLEc1FbQ

Richie Rencz:

http://www.youtube.com/watch?v=c7yvRkhfVP8

Credits:

http://www.youtube.com/watch?v=naWBwGy_xok

Musik: Wo „Elektro“ draufsteht, ist natürlich auch Electro drin: Mehr als die Hälfte der Tracks enthalten Electro-Beats, die von Northern Lite, Ampersand und Mstrkrft kommen. Angesteckt vom Elektro-Virus wurde die Alterna Crew auf ihrem Slowenien-Trip. Da aber ein reiner Elektro-Beat-Snowboard-Film auch nicht das Wahre wäre, werden die Fans von Rock und HipHop unter anderem von Rush und Bishop Lamont zufrieden gestellt. Besonders gut passt auch der Intro-Song „Ya Mama“ von Fatboy Slim.

Fazit: Allein schon die Option, sich „Elektro“ für nur 3,99 Euro als Video-on-Demand anschauen zu können, macht den Streifen zum vorwinterlichen Pflichtprogramm. In der jährlichen Flut von Snowboard-Filmen schwimmt „Elektro“ ganz oben mit und schafft es sogar, so manch grosse Produktion durch die guten HD-Aufnahmen unter Wasser zu drücken. „Elektro“ wird wahrscheinlich nicht in den All Time Top Ten der Snowboard-Filme landen, ist aber ein Film, den man in Winter 2009/’10 mehr als einmal in den DVD Player schiebt.

Fahrer: Benji Ritchie, Mikey Rencz, Matt Belzile, Chris Dufficy, Eero Niemela, Logan Haubrich, Tadej Valentan, Chris Rasman, Gaetan Chanut, J.F. Fortin, Matt Beardmore, Vera Janssen, Craig Beaulieu, Seb Toots

DVD-Bonus: ja
Spiellänge: 35 Minuten
Preis: DVD: 26,99 Euro, Video-on-Demand: 3,99 Euro
Website: www.alternaactionfilms.com

Cool Story
By Think Thank Productions

Über den Film: Klar gibt es Snowboard-Filme mit Produktionsbudgets im sechsstelligen Bereich. Die Fahrer müssen sich um nichts kümmern, alles ist perfekt durchorganisiert und läuft wie am Schnürchen. Viele der Think-Thank-Fahrer hingegen bekommen von ihren Sponsoren gerade mal den Stuff, den sie selbst verbrauchen. Natürlich macht das die Produktion eines wirklich guten Snowboard-Films nicht einfacher, aber aus der Not kann man ja bekanntlich auch eine Tugend machen. Ohne Geld gibt es keine Lifttickets, keine Helis und kein überteuertes Equipment; dementsprechend wird in „Cool Story“ überwiegend gejibbt und gebonkt. Ganz egal wie sketchy der Spot und wie bekloppt, banal oder unmöglich der Trick eigentlich ist, hier wird mitgenommen, was nur mitgenommen werden kann. Es wird gespielt und experimentiert, was das Zeug hält – und das zahlt sich aus: Ben Bogart ist zwar chronisch pleite, hat aber eine ausgeprägte Schwäche für verrückte Jib-Tricks wie kaum ein Zweiter. Tim Eddy darf sich schon jetzt mit dem soeben erfundenen Titel Master of Lip Tricks schmücken. Austin Hikonara zeigt Board-Kontrolle und Ideenreichtum, was Bonks angeht. Johnny Miller hört nicht nur gerne Metal, sondern ist auch meistens darauf unterwegs: Ganz egal wie viele Ecken, Kinks oder Kurven ein Rail hat, „geht nicht“ gibt’s nicht bei Miller. Gus Engle fährt am liebsten, ohne sich die Boots in die Bindungen zu strappen, und kann deshalb Tricks wie Fs Big Spins und Varial Kickflips, an denen sich andere schon auf dem Skateboard die Zähne ausbeissen. Sam Hulbert hat letzten Winter nicht nur den Grand Prix of Snowboarding gewonnen, sondern auch einen richtig schönen Frontside 1080° vor den Think-Thank-Kameras abgeliefert – einer der leider nur wenigen Powder-Shots in diesem Film, mal abgesehen von Mark Thompsons Footage: Frontside 900°, Switch Backside 900° und Double Inverted 900° heben das Powder-Level deutlich an. Der letzte Part geht an Chris Larson. Chris ist ein Gangster mit frisch erworbenem High-School-Abschluss und minderjährigen Groupies. Quasi der lebende Beweis dafür, dass man mit Frontside 270° to Switch Frontside Boardslides bessere Chancen bei der Damenwelt hat. Von „Cool Story“ dürfte jedenfalls nicht nur die Damenwelt, sondern auch ein Grossteil der männlichen Zuschauer begeistert sein. (fk)

Musik: Der Soundtrack von „Cool Story“ ist passend zu den Fahrern bunt durcheinander gemischt. Zwischen Metal und Euro Dance werden alle Lücken gefüllt, so dass sich jeder Zuschauer mit halbwegs normalem Musikgeschmack mit mindestens einem der Songs anfreunden dürfte. Einzelne Tracks hervorzuheben macht bei diesem Film nicht viel Sinn – abgesehen von Coolios „Gangster’s Paradise“ wurden überwiegend unbekannte Songs verwendet.

Fazit: Der Name ist Programm: Es wird eine wirklich coole Story erzählt. Die Story von einem Haufen Jungs, die ausser ihren Brettern und der Liebe zum Snowboarding nicht viel haben. Irgendwie schaffen sie es, einen Film abzuliefern, der einen über eine Stunde lang an den Bildschirm fesselt. Natürlich kann man sich an der stellenweise dürftigen Bildqualität und den wenigen Powder-Shots stören. Trotzdem oder gerade deshalb ist das, was hier mit einem Augenzwinkern gezeigt wird, innovativ und macht vom Intro bis zum Abspann einfach nur Spass!

Fahrer: Ben Bogart, Tim Eddy, Austin Hironaka, Pat Milbery, Sean Genovese, Johnny Miller, Gus Engle, Jesse Burtner, Chris Beresford, Matt Edgers, André Spinelli, Sam Hulbert, Blair Habenicht, Nick Visconti, Mark Thompson, Cris Larson u.v.m.

Black Winter
By Standard Films

Über den Film: Standard Films knüpfen mit „Black Winter“ dort an, wo sie mit „Aesthetica“ aufgehört haben: bei Torstein Horgmo. Hatte der 22-Jährige in seiner ersten Filmsaison gleich mal den Schluss-Part eingefahren, bekommt er diesmal die Ehre, den Film zu eröffnen. Und das völlig zu Recht! Der junge Norweger beweist, dass er eine echte Allround-Maschine ist: krasse Street-Rails, 720’s, 900’s und 1080’s in allen Rotationsrichtungen auf Backcountry- und Park-Kickern und dazu ein kompletter Follow-Cam-Run über die Obstacles von Park City, der sogar seinen Northstar-Run vom letzten Jahr noch toppt. Wenn er so weitermacht, bekommt er im nächsten Jahr wahrscheinlich Anfangs- und Schluss-Part. Nach einer solch starken Vorlage will natürlich der zweite Norweger und Standard-Neuling Andreas Wiig nicht hinten anstehen und da anknüpfen, wo er im Mack-Dawg Part vergangene Saison aufgehört hat. Er katapultiert sich in gewohnter Manier nur über die grössten Park-Kicker, die es von Norwegen bis Colorado zu finden gibt. Und Standard wäre nicht Standard, wenn diese Flüge nicht mit den altbekannten Heli-Follow-Cam-Aufnahmen in den Kasten gebracht wären. Wenn dann noch die Shots von Mark Landvik und Eric Jackson hinzukommen, die wie Flummis auf einer Tartanbahn über die Pillow-Lines bouncen, und Lando am Ende seines Parts im puren Weiss mit einem Lächeln auf den Lippen sagt: „Just another day in the office…“, fragt man sich, wieso der Film den etwas negativ klingenden Namen „Black Winter“ trägt, wo doch die halbe Welt im letzten Winter mit Powder gesegnet wurde. Aber genau darauf wollen die Macher hinweisen, denn einer der besten Winter der letzten Jahre war zugleich einer der gefährlichsten, was an den Schneebrettern und Lawinen zu sehen ist, die Torstein Horgmo, Andreas Wiig und Mark Landvik verschütteten. Xavier De Le Rue hingegen scheint die Lawine, die ihm vor einem Jahr fast das Leben kostete, längst vergessen zu haben. „I’m always happy when I’m down“, sagt er amüsiert, bevor er in eine Line droppt. Bei dem Fahrstil kann er das auch sein. Hätte er Flügel, würde er beim enormen Speed seiner Straight Lines glatt abheben. Da die Powder-Fraktion mit diesen Teilen des Films voll versorgt wird, die Jibber aber nicht zu kurz kommen sollen, gibt es Halldor Helgason und Jason Dubois, die Metall in jeder Form bearbeiten. Die einzige Frage, die am Ende des Films offen bleibt, ist, wie es Chas Guldemond bei 30 Contests in der letzten Saison noch geschafft hat, einen so starken Video-Part hinzulegen – Respekt! „Black Winter“ bringt schon im Spätsommer die Vorfreude auf die Tage im Weiss. (lb)

Musik: So vielseitig wie das Snowboarden und die Charaktere der Fahrer in „Black Winter“ ist auch die Musikauswahl: Von Röyksopps Elektro-Sound bei Torstein Horgmo über Classic Rock von Eric Claptons Band Cream in Mark Landviks Powder-Part bis hin zum Dance Punk von Matt & Kim bei Halldor Helgason ist echt alles dabei. Ob jedoch der Cutter des Films mit den Aufnahmen von Andreas Wiig genau so scratchen sollte, wie es die Beastie Boys bei „Intergalactic“ tun, muss jeder für sich entscheiden. Entweder man mag es oder nicht.

Fazit: Nachdem die Standard-Filme einige Jahre zu reinen Trickfeuerwerken mutiert waren, was die Sinne und Aufnahmefähigkeit der Zuschauer arg strapazierte und auch langweilte, bringt „Black Winter“ wie schon sein Vorgänger den Spass am Snowboarden wieder auf den Schirm. Dabei werden alle verschiedenen Facetten des Snowboardens berücksichtigt: Dieser Film befriedigt sowohl die Bedürfnisse von Jib-Kids, Park-Shreddern als auch Big-Mountain-Fans. Einfach ein Muss!

Fahrer: Torstein Horgmo, Andreas Wiig, Xavier De Le Rue, Jason Dubois, Andrew Geeves, Leanne Pelosi, Seb Toots, Mark Landvik, Ben Lynch, Dave Short, Chas Guldemond, Eric Jackson, Halldor Helgason, Lonnie Kauk

DVD-Bonus: ja
Spiellänge: 45 Minuten
Preis: 24,95 Euro
Website: www. standardfilms.com

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