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Special

Großes Kino – Part II

Jahr für Jahr wird die Snowboard-Gemeinde mit den neuen Videos der Saison auf den bevorstehenden Winter eingeschworen. Welche Filme gibt es? Was für Riding wird gezeigt? Wie ist der Sound? Welcher Fahrer hat den Banger-Part? Welches Movie lohnt es sich überhaupt zu kaufen? Fragen über Fragen, die uns alljährlich im Oktober beschäftigen.

Über den Film:
Alterna sagt „Hello World“ von Alaska bis nach Anatolien. Seit sechs Jahren produziert das Team um Produzent Carlo Wein nun schon Snowboard- Movies, deren Qualität von Jahr zu Jahr auf einem immer höher werdenden Level anzusiedeln ist. Fahrer wie Mikey Rencz, Tadej Valentan, Chris Dufficy oder Eero Niemela wachsen mit dem Projekt, das sich nun immer weiter in Richtung der Big Names unter den Movies zu bewegen scheint. Bekam man im letztjährigen Streifen „nur“ sattes Riding ohne Heli-Flüge und kontinentale Reiserouten auf die Augen, traut sich die Alterna Crew nun auch in Helikopter und lässt sich in Alaska sowie Vorderasien blicken. Zeitgleich steht der Fahrer-Level in „Hello World“ diesem Prozess in keinster Weise nach. Bereits nach dem ersten Part von Benji Ritchie, der zu Sounds von Trevor „Trouble“ Andrew springt und sprayt, bis die Schwarte kracht, werdet ihr eurer Mattscheibe gegenüber 30 Minuten lang gefügig sein. Same sound different style but still good: Mikey Rencz knüpft nahtlos an Benjis Backcountry-Skills an und hittet Pillows und Kicker im Akkord. Vom Backcountry zum Bosporus: Der Ausflug nach Istanbul mit Wasserpfeife, Tee, Studentenpartys und Shredding in den Bergen Anatoliens wirkt wie die Ruhe vor dem Sturm. Und tatsächlich: Die Big Mountains von Alaska sind die nächste Spielwiese der Crew. Besonders David Short liefert hier mit seiner Helm-Cam atemberaubende Bilder und lässt euch bei seinen abenteuerlichen Runs hautnah mit dabei sein– nichts für zarte Gemüter! Weiter geht es mit einem Mix aus Park, Backcountry und Street, wo unter anderem die Deutsche Vera Janssen mit schönen Shots vertreten ist. Verlassene Häuser und schaurige Hinterhöfe werden hier kurzerhand zu Jib-Spielwiesen ernannt und so sehen sich die Einwohner Sarajevos mit dem ein oder anderen Snowboarder konfrontiert, der ohne Vorwarnung aus einem dunklen Fenster einer leer stehenden Ruine droppt. Auch das nicht mehr bewohnte Hotel der Olympischen Winterspiele von 1984 bleibt von Wallrides und Drops nicht verschont. Die Crew beweist Kreativität und zeigt, dass die Welt mit einem Brett unter den Füssen und ein wenig Schnee auf der Strasse – oder nach Belieben auf Häuserdächern – zu einem grenzenlosen Spielplatz werden kann. Obwohl das Niveau hier verdammt hoch ist, schaffen die Filmemacher das, was bei den meisten grossen Produktionen verloren geht: Snowboarden greifbar zu machen für jedermann. Ungeachtet dessen, ob man mit seinem Können ganz am Anfang steht oder bereits den ein oder anderen grossen Spin gestickt hat – Snowboarden ist, was du draus machst! Der Last Part gehört Jesmond Dubeau und ab hier herrscht akuter Platzmangel für weitere Buchstaben. Das passt allerdings ganz gut, denn der Ausdruck „ohne Worte“ trifft bei diesem Part sowieso den Nagel auf den Kopf!

Musik:
Die Genres in „Hello World“ werden wild durcheinander gewürfelt und bilden in ihrer zusammenstellung ein rauschendes Fest für die Gehörgänge. Mit „Seeing Double at The Triple Rock“ von NOFX ist für die Punkrock-Riege gesorgt, Dr. Dre unterstützt mit „Bang Bang“ die urbane Session in Bosnien-Herzegowina und Trevor „Trouble“ Andrew ist mit „Adorable“ und „The Last Goodbye“ gleich mit zwei Songs vertreten, die im Zusammenspiel mit dem Riding von Benji Ritchie, Mikey Rencz und Chris Dufficy eure Snowboarder-Seele beflügeln, während euer fassungs- und regloser Körper fest an den Fernsehsessel getackert ist.

Fazit:
Der neue Film aus dem Hause Alterna zeigt sich abwechslungsreich und schafft es mit einer schönen Komposition aus Riding, Musik und perfektem Schnitt, ein einzigartiges Filmerlebnis auf die Leinwand zu zaubern. Die Gratwanderung zwischen dem Erzählen einer grossen Geschichte und einem Trip unter Freunden ist mit diesem Film gelungen. Snowboarding in seiner greifbarsten Form lässt den Zuschauer 31 Minuten mitfiebern und mitlachen und bringt seine wesentlichste Faktoren auf einen gemeinsamen Nenner, als da wären: Spass und pure Leidenschaft beim Shredden. Offen bleibt ein einziger Wunsch für die Zukunft: bitte mehr davon! (mk)

Fahrer:
Benji Ritchie, Mikey Rencz, Jesmond Dubeau, Wiley Tesseo, Devun, Chris Dufficy, Dave Short, Eero Niemela, Tadej Valentan, Chris Rasman, J.F. Fortin, Marius Otterstad, Vera Janssen, Craig Beaulieu, Gaetan, Chanut u.v.m.

DVD-Bonus: ja
Spiellänge: 31 Minuten
Preis: 26,99 Euro
Website: www.alternaactionfilms.com

Über den Film:
Rails, Drops und Dosenbier – die Jungs von Videograss nehmen euch mit auf eine „Bon Voyage“ durch urbanes Revier und lassen ihrer Kreativität irgendwo zwischen Wahnsinn und Bierseligkeit freien Lauf. Mit Kippe und Gerstensaft wie damals im zarten Pubertätsalter shredden sie Rutschen und Kletterstangen auf Spielplätzen, droppen von Nachbars Sichtschutzmauer oder verzieren dessen Domizil direkt mit fetten Wallrides. Alex Cantin, Smooth Operator auf Gestänge wie im Backcountry, eröffnet den Film mit einem Part,der einfach nur der pure Augenschmaus ist. Die Frage „Wie ist so viel Style nur möglich?“ schwirrt irgendwo in eurem Bewusstsein herum, kann aber während der etwas mehr als zwei Minuten nicht verarbeitet werden, da Alex einen Banger nach dem anderen bringt. Erst danach ist Zeit zum Nachdenken und für die konsequente Erkenntnis, dass dieser Typ die Inkarnation von Style ist. Wir bleiben in den Strassen und stürzen mit Gus Engle, L.N.P. und Mikey Leblanc und einem Dosenbier nach dem anderen ab in die Welt aus Stairsets, Pools, Bowls und Walls. Neben den legendären Bomb Drops von Mikey Leblanc a/k/a „der Mann mit den Knien aus Stahl“ bekommt ihr hier technisch solide Skate-Styles auf die Augen. Im gleichen Kosmos bewegen sich die folgenden Parts, die sich spot- und trick-technisch zwar nicht viel nehmen, dafür mit Thirtytwo-Fahrer Chris Grenier, Johnny Miller und Darrell Mathes einige „Lords of the Streets“ mit unglaublich guten Rail-Skills auf eure heimischen Bildschirme bringen. Mit Ben Bilocq, der zweifellos einen der besten Parts in diesem Film hat, bekommt man zur Abwechslung mal wieder ein paar Backcountry-Kicker beziehungsweise Ben Bilocq zu sehen, wie er selbige mit schönen Sprüngen zugrunde richtet. Mindestens genauso stylish wie Alex Cantin, allerdings mit weitaus engeren Hosen unterwegs killt Ben mit Nose Presses auch Multi-Kinked Rails in den Streets. Durch seine vielfältigen
Fähigkeiten sticht Ben in dem von urbanen Shots dominierten Film hervor und verdient sich auch mit seinem Backcounty-Footage die Note „sehr gut mit Sternchen“. Solch eine Lobeshymne hat sich auch Jed Anderson verdient. Der junge Kanadier rebelliert mit seinem Brett gegen alles, was jib-tauglich ist, und zerlegt die öffentliche Infrastruktur frontside wie backside, 180° off wie 450° on. Technisch auf allerhöchstem Niveau sind seine Fähigkeiten toll anzuschauen. Einziger Wermutstropfen: Das Auge des Betrachters ist zu diesem Zeitpunkt bereits so übersättigt mit Rail-Spots, dass Jib-Kid Jed nicht die Bewunderung bekommt, die einem letzten Part eigentlich gebührt.

Musik:
Passend zur Crew und den einzelnen Charakteren produzieren die Lautsprecheran euren Fernsehgeräten eine Mischung aus Hipster-Sound und Punkrock. So shreddet Gus Engle mit Blümchen im Haar zu „Such a Funny Night“ von Aphrodite’s Child und Jed Anderson lebt in seinem Part unterstützt von Vice Squad und deren Song „Last Rockers“ das reinste Snowboard-Rebellentum. Die Song-Auswahl ist durchaus gelungen und dazu noch perfekt auf die einzelnen Fahrer zugeschnitten. So brauchen sich selbst die HipHop-Heads Chris Grenier und Justin Beenne durch Support von Young Jeezy keine Sorgen zu machen, neben ihren Punk- und Hippie-Kollegen sound-mässig vernachlässigt zu werden.

Fazit:
„Bon Voyage“ ist für diejenigen ein Muss, die von Street Rails, Wallrides und urbanen Bomb Drops nicht genug bekommen. Für die richtige Street Credibility wird ordentlich gequarzt und hin und wieder eine Bierflasche zerschlagen. An Lifestyle-Shots mangelt es also nicht und die Crew macht ihrem Chaos-Image, egal ob mit Buggy in Chris Greniers Garten oder bei der Massenabfertigung von Bierdosen, definitiv alle Ehre. Für den Snowboarder unter euch, der auf Abwechslung steht und gerne mehr Schnee als bloss in Inrun und Landung sieht, wirkt der Streifen spätestens zur Halbzeit doch ziemlich eintönig. Highlights wie die Parts von Ben Bilocq, Chris Grenier, Justin Bennee und Jed Anderson haben nichtsdestotrotz das Potenzial, auch den weniger Street-Affinen unter euch wahnsinnig grosse Lust auf Snowboarden zu machen. (mk)

Fahrer:
Louif Paradis, Darrell Mathes, Jed Anderson, Mikey Leblanc, Nick Dirks, Jordan Mendenhall, Will Tuddenham, Chris Grenier, Laurent-Nicolas Paquin, Alex Cantin, Johnny Miller, Jon Kooley, Gus Engle, Justin Bennee, Ben Bilocq, Jonas Michilot, Nima Jalali, Harrison Gordon

DVD-Bonus: ja
Spiellänge: 45 Minuten
Preis: 24,99 Euro
Website: www.videograss.com

Über den Film:
Mit „9191“ tritt nun auch Gigi Rüf in den kleinen erlesenen Kreis derjenigen Shredder, die behaupten können, einen eigenen Film über sich gedreht zu haben. Mit Jake Price stellte Volcom nach dem Motto „eins bezahlen, drei bekommen“ Gigi einen eigenen Filmer zur Seite, der ihn einen Winter lang auf all seinen Trips durch Österreich, die Schweiz, Neuseeland, Chile, Alaska und in die USA nach Jackson Hole begleitete. Denn Jake führte neben dem Filmen Regie und machte auch noch den Schnitt. Das Ergebnis seiner Arbeit ist eine auf Film gebannte Lobhuldigung an das Riding des 29-jäh rigen Vorarlbergers und vor allem an dessen einzigartigen Style. Aber nicht nur Gigi, sondern auch der Rest des Fahrer-Line-ups, das mit hochkarätigen Namen wie unter anderem Terje Håkonsen, Nicolas Müller, Bryan Iguchi und Jake Blauvelt gespickt ist, steht für den Style schlechthin. So sick die Na men bzw. die Fahrer auch sein mögen, sie spielen in „9191“ trotzdem nur eine Nebenrolle. Wir haben zwar keine Stoppuhr und keinen Taschenrechner benutzt, schätzen aber, dass mehr als 75 Prozent der Shots von Gigi sind. Zu Beginn des Films heisst es mit der ersten Kameraeinstellung wortwörtlich „Drop-in“, denn Gigi steht auf einem Grat zum Drop-in in einen Spine Run, auf den sogar Big-Mountain-Rider wie Jeremy Jones neidisch wären. Mit diversen High Speed Spine Runs wird der Zuschauer dann von 0 auf 100 in den Film katapultiert, bevor im Intro, wenn man es so nennen kann, ein Hochgeschwindigkeits-Rückblick auf Gigis komplette Snowboard-Karriere in Form von einigen Highlights aus so circa jedem Snowboard-Movie, in dem er je mitgespielt hat, zu sehen ist. Da darf natürlich auch die Mega-Powder-Arschbombe aus „Futureproof“ nicht fehlen. Der Rest des Films ist ein gelungener Mix aus gestochen scharfen HDAufnahmen, 16-Millimeter-Film und Super 8. Durch die leicht krisseligen Aufnahmen des Super-8-Films bekommt „9191“ seinen ganz eigenen, künstlerischen und vor allem mystischen Charakter. Dieser erinnert stark an den 1999 erschienenen „Faktor Håkonsen“, ist aber in seiner Art kaum mit anderen Snowboard-Filmen zu vergleichen. Was dazu natürlich bei trägt, ist der eigens für den Film produzierte Soundtrack des Künstlers Baron. An manchen Stellen vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, da man die Songs in keine Sparte einordnen kann, unterstreicht die Musik aber die Stimmung der Aufnahmen und ist zu 100 Prozent auf den Schnitt des Films abgestimmt bzw. umgekehrt der Schnitt auf die Musik. Zusammenfassend kann man sagen, dass „9191“ Big-Mountain-Riding und Backcountry-Free style mustergültig vereinigt, indem die Rider in Perfektion zeigen, wie man natürlichen Obstacles und dem gegebenen Terrain seinen Freestyle-Stempel aufdrückt. Neben Gigi Rüfs und Nicolas Müllers Backside Airs, die sowieso ihresgleichen suchen, laden Bilder von Parallel-Powder-Runs von Jake Blauvelt und Gigi zum Träumen ein. Hat man sich dann ganz an den Stil des Films gewöhnt und fängt gerade richtig an zu geniessen, wird man leider schnell wieder aus den weissen Träumen gerissen. Denn genauso rasant, wie der Film anfing, so abrupt ist er leider auch schon wieder zu Ende.

Musik:
Der Soundtrack ist so einmalig wie der Film selbst. Alle neun Tracks wurden von Baron eigens für „9191“ komponiert und passen zu den Auf nahmen wie die Faust aufs Auge. Die Tracks sind instrumental, enthalten Rock-Elemente oder laden zum Chillen ein. Um solch ein vielseitiges Werk zu erstellen, holte Baron unter anderem Musiker wie Dave Lombard von Slayer oder Snowboard-Legende und Punkrocker Jamie Lynn ins Boot bzw. ins Studio. Wer sich einen Eindruck vom Sound machen möchte, kann dies auf der Website des Films tun oder sich den kompletten Soundtrack einfach mit dem zur DVD gelieferten Code kostenlos bei iTunes herunterladen.

Fazit:
Einziger Kritikpunkt, den wir an „9191“ finden konnten, ist die Filmlänge: Mit gut 23 Minuten ist Volcoms Werk über ihren Ausnahme-Ripper Gigi leider etwas sehr kurz geraten. Bedenkt man aber, dass der Grossteil der Shots von Gigi stammt, sind es doch verdammt viele A-Shot Lines und Tricks, die er innerhalb eines Winters auf Film bannen konnte. Ausserdem tröstet das mehr als grosszügige Bonusmaterial über die Länge des Hauptfilms hinweg. Sage und schreibe 1 Stunde und 47 Minuten an Extramaterial hat der Macher Jake Pricegeschnitten, damit auch diese geilen Shots nicht auf irgendeinem Harddrive vergessen werden. Zieht man einen Strich unter den Film, den Soundtrack und das Bonusmaterial, kommt man an einem Kauf von „9191“ einfach nicht vorbei, dieser Film gehört einfach in jede DVD-Sammlung. (lb)

Fahrer:
Gigi Rüf, Wille Yle-Luoma, Terje Håkonsen, Bryan Iguchi, Luke Mitrani, Curtis Ciszek, Blair Habenicht, Nicolas Müller, Jake Blauvelt, Wolle Nyvelt, Björn Leines, Mark Landvik, John Olofsson

DVD-Bonus: ja
Spiellänge: 23:14 Minuten
Preis: DVD: 19,99 Euro, iTunes-Download: 7,99 US-Dollar
Website: www.9191movie.com

Über den Film:
Bei Think Thank bleibt man neurologisch. Das in Anlehnung an ihren Klassiker „Thanks Brain“ auf den Namen „Right Brain Left Brain“ getaufte Doppel-DVD-Feature liegt in den Shops und wird die Rail-Fans aus der Reserve locken. So bietet sich dem Zuschauer auf den beiden DVDs „Right Brain“ und „Left Brain“ vor allem Street Snowboarding erster Güte. Nick Visconti eröffnet den Film mit Jibbereien wie einem Frontflip Frontside Boardslide. Auch Chris Beresford gibt sich innovativ und zeigt mit einem Kickflip, dass Skateboarding und Snowboarding noch immer so unzertrennlich sind wie Eisbär-Mützen und Skifahrer. Think-Thank-Mastermind Jesse Burtner verbringt seine Zeit im Powder am liebsten one-footed und liefert mit seinem Part ein absolutes Highlight in Sachen innovatives Snowboarding. Pat Milbery setzt dem allem noch eins obendrauf und stillt mit einem Darkslide (!) die Bedürfnisse aller Rodney-Mullen-Fans. Der letzte Part der ersten DVD geht an Scott Stevens, der sich via One-foot Backflip Bonk am Sessellift vorbeikatapultiert und gerne auch mal einen Banana Slide an Handrails zeigt. Im Anschluss an Stevens’ Part heisst es plötzlich: „Please change the disc“… Das hätte auch eleganter gelöst werden können! Nach dem DVD-Wechsel erhält die Think-Thank-Crew weibliche Verstärkung: Jess Kimura sieht aus wie ein Kerl, steckt ein wie ein Kerl und shreddet Rails wie ein Kerl – Hut ab! Chris Larson hat zwar nicht viel Style, aber eine ausgeprägte Leidenschaft für Gaps vor, nach und zwischen Rails und genügend Balance für Backside Nosebluntslides an Triple Kink Ledges. Sein Landsmann Blair Habenicht hat den ersten ernst zunehmenden Powder-Part. Was Habenicht hier abliefert, kann guten Gewissens als radikal bezeichnet werden und wird nicht zur Nachahmung empfohlen! Dank Ben Bogart flimmert dann doch noch eine Baggy-Pants über den Bildschirm. Abgesehen davon steckt Bogart trotz unübertrefflicher Board-Kontrolle hart ein, wird hierfür aber mit einem technisch anspruchsvollen und vor allem stylishen Part belohnt. Sean Genovese ist offensichtlich bereit, das Erbe von Mikey Leblanc anzutreten, und droppt so ziemlich alles, was bei drei nicht ebenerdig ist. Der Final Part von „Right Brain Left Brain“ geht – verdient oder nicht, sei mal dahingestellt – an Jason Robinson. In Sachen Trickniveau bewegt sich Robinson wohl im Think-Thank-Mittelfeld. Trotzdem bleibt ein guter Gesamteindruck, da es der Libtech-Teamrider als einer der wenigen Fahrer in „Right Brain Left Brain“ versteht, im Powder und auf Rails zu überzeugen.

Musik:
Abgesehen von wenigen Ausnahmen geht es in „Right Brain Left Brain“ rockig zu. Ganz egal ob Punk, Metal oder Hard Rock, verzerrte Gitarren scheinen es den Think-Thank-Jungs angetan zu haben. Das passt zum Bild wie Arsch auf Eimer, ist aber ebenso wie das gezeigte Riding nicht jedermanns Geschmack.

Fazit:
Die Röhrenbrigade um ihren Gruppenwicht Jesse Burtner beweist, dass man heute zum Schnauzer am besten Knochen aus Stahl trägt – anders lässt sich das dem Zuschauer gebotene Rail-Massaker kaum erläutern. Es wird an allen Stellen gejibbt, geslidet, gedroppt, gedorkt und gebonkt. Backcountry-Kicker sind wohl ohnehin überbewertet und höchstens einen Double Backflip wert. Leider geht das Jibben auf hohem Niveau in der Masse der gezeigten Street-Shots etwas unter. Etwas mehr Abwechslung hätte hier nicht geschadet. Und warum mussten es unbedingt zwei DVDs sein? Bei knapp 30 Minuten Spielzeit pro Disc wäre eine Veröffentlichung auf einer DVD zumindest technisch kein Problem gewesen. Der nervige DVD-Wechsel mitten im Film wäre uns so erspart geblieben. (fk)

Fahrer:
Scott Stevens, Austin Hironaka, Chris Beresford, Chris Brewster, Jesse Burtner, Nick Visconti, Pat Milbery, Jason Robinson, Ben Bogart, Jess Kimura, Sean Genovese, Chris Larson, Sam Hulbert, Blair Habenicht u. a.

DVD-Bonus: ja
Spiellänge: Disc I: 26 Minuten, Disc II: 28 Minuten
Preis: 24,99 Euro
Website: www.thinkthank.com

Über den Film:
Man nehme ein gutes Dutzend kreative Snowboarder, einige Legenden und ein paar talentierte Young Guns, schicke sie mit Fotografen und Filmern auf tief verschneite Berge und an Street Spots, schneide das, was herauskommt, mit einer Prise Musik zu einem Film, rühre zwölfmal gegen den Uhrzeigersinn, exportiere das Werk im Anschluss auf DVD, und was der Computer ausspuckt, ist „Cheers“. Sobald der Film der People Crew über euren Fernseher flackert, werdet ihr diese Rezeptur wieder erkennen, denn sie ist ebenso einfach wie genial. Die Erfahrung von alten Hasen wie J.P. Walker und Jeremy Jones gepaart mit dem Talent junger und motivierter Fahrer wie Joe Sexton und Zac Marben ergibt einen Snowboard-Film, der – man stelle sich vor, es gäbe „Lafer! Lichter! Lecker!“ für Filmrezepte – die TV-Löffelschwinger hinter dem Herd ganz schön alt aussehen liesse. Die Mixtur, die uns glücklich macht, ist ein wahrer Festschmaus für die Augen und bietet von der Vorspeise bis zum Abgang Snowboarden bis zur geschmacklichen Ekstase. Mit allen guten Zutaten wie Lifestyle-Shots, passender Musik und vielen kreativen Spots kommt „Cheers“ perfekt auf den Punkt, stillt den Hunger nach einem erstklassigen Filmerlebnis und macht zugleich Appetit auf mehr. Wir picken uns aber ein paar Schmankerl aus dem Movie heraus, gehen von Alt nach Jung, womit wir mit Jeremy Jones und J.P. Walker beginnen. Die beiden lassen es auf Kickern wie auf Street Rails nach einem gefühlten halben Jahrhundert auf dem Brett immer noch ordentlich krachen und verzaubern uns mit ihrem routinierten und zeitlosen Style, dass selbst Backside Boardslides auf den dünnsten Rails wie der neueste Shit aussehen. Weitere High lights sind die Parts von Eero Niemela, der es ohne Zweifel versteht, Back country-Kicker mit schönen Spins zu zerlegen, Seth Huot, der seine facettenreichen Skills zum Besten gibt, Zac Marben mit langen Haaren auf noch viel längeren Rails und Mikey Rencz, der mit stylishen und vor allem unfassbar weiten Sprüngen übezeugt. Den krönenden Abschluss eines grandiosen Films liefern Bryan Fox und Joe Sexton. Zunächst zu Bryan Fox: Um ein perfektes Batman-Double abzugeben, fehlt Fox lediglich das Cape. Doch auch ohne Gleiter manövriert er sich Schwarz auf Schwarz über pulvrige Pillows, hittet massive Kicker und
gleitet geschickt durch Bäume, um danach butterweich im hüfthohen Powder zu landen. Das Ganze macht Foxman so schön, dass man den Eindruck hat, seine smoothen 360’s und 540’s wären direkt aus dem Snowboard-Bilderbuch auf den Bildschirm projiziert. Kinked Rails in sämtlichen Variationen sind das Zuhause von Joe Sexton. Im finalen Part stylt und presst er sich über städtische Geländer, als ob er die Balance bereits als Baby mit Löffeln gefressen hätte. Ihr solltet euch für Sexton noch einmal ein kaltes Bier aufmachen – klack, zisch und „Cheers“!

Musik:
Die People Crew greift tief in die Genrekiste und kramt von softem Indie-Sound über frühen Hardrock von Uriah Heep bis hin zu poppigem Electro-Klängen so ziemlich alles heraus. Übergänge und Platzierung der Sounds sind durchaus gelungen, so dass ihr auf der Strasse oder im Backcountry genau die Art von Sound bekommt, die ihr euch ersehnt.

Fazit:
Starke Charaktere in einem noch stärkeren Snowboard-Movie machen „Cheers“ zum Oscar-verdächtigen Must-have in eurem DVD-Regal. Das Cover der DVD gibt’s in zwölf Variationen, jeweils mit zwei unterschiedlichen Fahrern vorne drauf. Geht also schleunigst zum Händler eures Vertrauens, kauft euch euer Lieblingsexemplar und baut ihm einen Altar in eurem Wohnzimmer direkt neben den Familienfotos. People Creative für die Ewigkeit! (mk)

Fahrer:
Aaron Biittner, Bryan Fox, Curtis Ciszek, Eero Niemela, Seth Huot, Joe Sexton, Shaun McKay, Jeremy Jones, J.P. Walker, Lauri Heiskari u. a.

Spiellänge: 50 Minuten
Preis: 24,99 Euro
Website: www.thepeoplecrew.com

Über den Film:
Unsere Prophezeiung von 2009, Torstein Horgmo würde nach dem Schluss-Part in „Aesthetica“ (2008) und dem Opener in „Black Winter“ (2009) Standard Films’ diesjähriges
Werk „The Storming“ eröffnen und beenden, hat sich mit seinem erneuten Schluss-Part leider nur zur Hälfte bewahrheitet. Betrachtet man aber allein die fünfeinhalb Minuten (!!!), in denen Torstein einmal mehr vom Mega-Backcountry-Kicker über Pillow Lines bis hin zu den sicksten Handrails alles in Grund und Boden shreddet, stellt man fest, dass die Footage sowohl an Quantität als auch an Qualität locker für zwei Parts gereicht hätte. Der Grund, warum der Norweger nicht sowohl Einlasser als auch Rausschmeisser sein darf, heisst Sammy Luebke! „Sammy who?“, fragen sich jetzt wohl die meisten, hat der aus Alaska stammende Ripper doch bisher hauptsächlich mit drei Shots in „That’s It, That’s All“ auf sich aufmerksam gemacht. In seiner ersten richtigen Filmsaison wurde der erst 21-Jährige von niemandem Geringeren als Xavier De Le Rue unter die Fittiche bzw. mit in den Heli genommen. Zum Sound von Black Sabbath kann das Ergebnis dann natürlich nur krasse Straight Lines über Stock und Stein in Alaska, Vollgas-Pillow-Runs und 30-Meter-Cliff-Drops heissen! Dazu zeigt Sammy mit stylishen Backside und Frontside 540’s und 720’s, dass in Sachen Backcountry-Freestyle in den kommenden Jahren kein Weg an ihm vorbeiführen wird. Damit die Young Gun aber nicht zu früh in die Fussstapfen des Freeride-Veteranen Xavier tritt und womöglich noch den Rang abläuft, kennt der Franzose auf sämtlichen Faces zwischen Verbier und Valdez wieder einmal weder Angst noch Vernunft. Oder findet er einfach die Bremse nicht? Um die Powder-Fraktion im Film zu komplettieren, haben Ryan Tieme und Lonnie Kauk jeweils einen Banger-Part in den Kasten bekommen und Kazuhiro Kokubo besinnt sich nach seiner „Dresscode-Eskapade“ bei den Olympischen Spielen wieder auf Powder Sprays, massive Park- und Backcountry-Kicker und stylt sogar seine 1080’s bis zur Landung gnadenlos durch, wie manch anderer es kaum bei einem 3er schafft. Für die Railer unter den Zuschauern haben die Standard-Macher Mike Hatchett und Travis Robb wieder Jason Dubois und neu Will Lavigne sowie Eiki Helgason an Bord geholt. Warum Eiki bei uns im Interview der letzten Ausgabe jedoch von „nur ein paar Shots im Film“ sprach, ist uns nach Betrachten seines wieder einmal krassen Rail-Parts ein Rätsel! Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Halldor schlägt er die Brücke zwischen Backcountry und Rails. Zu Billy Joels „We Didn’t Start the Fire“ reisst Halldor mit Double Corks und unaussprechbaren Rail-Tricks jeden noch auf seinem Stuhl sitzenden Zuschauer vom Hocker. Liest man all die weiblichen Namen, freut man sich zwar zuerst, dass die Film-Separierung der letzten Jahre von männlichen und weiblichen Shreddern beendet ist; sieht man dann aber, dass von den fünf Damen nur Leanne Pelosi einen eigenen Part bekommen hat und sich die anderen vier Mädels mit jeweils zwei bis drei Shots zufrieden geben müssen, ist man eher enttäuscht. Zum Schluss noch einmal zu Torstein Horgmo: Da ein kompletter Top-to-Bottom-Park-Run mittlerweile fester Bestandteil seiner Film-Parts geworden ist, darf dieser natürlich auch in „The Storming“ nicht fehlen. Passend zu seinem Trickrepertoire, das man so nur früher in Videospielen hätte abfeuern können, werden eine „Power“-Leiste, Trickname und Punktzahl eingeblendet. Wüsste man nicht, dass Torstein aus Fleisch und Blut besteht, könnte man bei seinem letzten Trick, dem Triple Cork, echt denken, die gebotene Action würde ein Videospielcharakter ausführen.

Musik:
Auch bei „The Storming“ haben Standard Films weder Musikrechte noch GEMAGebühren gescheut und mit einer ähnlich bunten Mischung wie beim Fahrerfeld sämtliche Musikrichtungen abgedeckt. Highlights sind definitiv Black Sabbath’ „Children of the Grave“, Billy Joels „We Didn’t Start the Fire“, „It’s My Life“ von der 60er-Jahre-Rockband The Animals und der HipHop-Track „I Need a Dollar“ von Aloe Blacc. Komplettiert wird der Soundtrack unter anderem von RJD2, Paper Tiger und The Black Keys.

Fazit:
Auch dieses Jahr kommt man absolut nicht an Standard Films vorbei, wenn man einen verdammt guten Snowboard-Movie sehen will. „The Storming“ gehört definitiv zu den Top Three im Winter 2010/11. Fahrerauswahl, Tricks, die Mischung von Rails, Park und Backcountry sowie die gute Musikauswahl passen zusammen wie die Faust und das Auge. Und die wenig vorhandenen den Film aufl ockernden Lifestyle-Shots werden durch das verdammt gute Editing, das perfekt zur Musik und den Tricks passt, kompensiert. „The Storming“ wird auch euch im Sturm erobern! (lb)

Fahrer:
Halldor Helgason, Sammy Luebke, Lonnie Kauk, Xavier De Le Rue, Leanne Pelosi, Eiki Helgason, Kimmy Fasani, Hana Beaman, Raewyn Reid, Kevin Jones, Torstein Horgmo, Kazu Kokubo, Will Lavigne, Jason Dubois u. a.

DVD-Bonus: ja
Spiellänge: 42 Minuten
Preis: : DVD: 30,99 Euro, Blu-Ray: 33,99 Euro
Website: www.thestorming.com

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