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Special

Monster Session Oberstdorf-Kleinwalsertal

Die 8. Monster Session und doch feiern wir eine inoffizielle Premiere: Zum ersten Mal versammelte das MBM seine Reihen in deutsch-österreichischen Gefilden. Es hat sich gelohnt! Sechs Tage Bluebird und Sonne, Frühlingsslush und Powder, Karaoke-Sessions und wilde Partys. Und nachdem „Session“ und „Crew“ so schön zusammenpassen, haben wir vier Trupps auf ihren Ausschweifungen durch Oberstdorf-Kleinwalsertal begleitet.

Die Zusammengewürfelten
Montag. Kann es denn einen schöneren Wochenstart geben als vorsichtig die Gardinen zur Seite zu schieben und vom Oberstdorfer Bergpanorama begrüsst zu werden. Willkommen zur 8. Monster Session! Unser Motto: Der frühe Vogel fängt den Wurm! An der Talstation des Walmendinger Horns stehen Friedl May und 2nd Unit Filmer Felix Urbauer schon fertig gestriegelt und dick mit Sonnencreme beschmiert und wirken leicht gestresst als Vinzenz Lüps, Bernd Wallner und zwei MBM’ler mit reichlich Verspätung eintrudeln. Hat’s doch die letzten zwei Wochen ordentlich Schnee gelassen! An der Bergstation angekommen, wissen wir nicht so recht, wo wir anfangen sollen. Nach weiteren Spots suchen oder gleich Richtung Senke stechen, in der wir von der Gondel aus ein fesches Gap ausmachen konnten. Doch zuerst sticht uns diese Stahltreppe ins Auge, die nach einem Gap Hit schreit. Das Handicap an der Geschichte: zwei Kurven und ein Drop in, versteckt hinter der Gondelstation. Sprich, wer die Kurve nicht richtig kriegt, schafft auch das Gap nicht! Friedl will es probieren. 3,2,1, er kommt ums Eck, aber schon da ist klar, das schafft er niemals. Er fährt trotzdem weiter, hebt ab und fliegt viel zu kurz. In Zeitlupe prallt er mit der Base gegen das Metallgeländer. Es tut einen dumpfen Schlag und er taucht mit einem Vorwärtssalto ab. Stille! Doch Felix gibt schnell Entwarnung „Friedl ok, aber Board ist wohl hinüber“. Leicht geschockt muss sich Friedl erstmal hinsetzen, krempelt sein Hosenbein hoch, und erst dann sehen wir ein rotes Rinnsal sein Schienbein runter laufen. Wir verbinden die Fleischwunde, und mit einem mulmigen Gefühl brechen wir die Aktion ab. Auf zum Senken-Gap. Der Spot ist perfekt! Steile Anfahrt, sanfter Absprunghügel und 20 Meter weiter landet man in einer langen Rundung. Also nichts wie ran an und Kicker schaufeln! Zwei Stunden später, die Sonne verabschiedet sich langsam hinter den Allgäuer Gipfeln, setzen wir den letzten Schneeklotz auf unser Bauwerk. Der Arbeit nicht überdrüssig, finden Vinzenz und Basti auf dem Weg ins Tal ihren nächsten Traumspot. Zwei grosse Schneehügel, zwischen denen sich ein 20 Meter breiter Ziehweg durchschlängelt. Man könnte es das „Busen-Gap“ nennen. Auch hier will noch Hand angelegt werden, bevor am nächsten Morgen der Tag der Wahrheit ansteht; sind die Gaps überhaupt machbar?!

Der Morgen drauf könnte eine Kopie des Montags sein, ausser dass wir die Schaufeln im Rucksack lassen und direkt zum Vergnügen übergehen können. Unser erstes Gap bereitet Vinz, Bernd und Friedl reichlich Mühe, bevor sie die ersten Tricks stehen. Nachdem Bernd statt eines Bs 180, einen unkontrollierten Fs 180 kurbelt und sich in die Landung bombt, hängen die Gesichter tief. Zähne zusammenbeissen und durch. Bernd, zweiter Versuch. Er geht tief in die Knie dreht smooth, leicht über Kopf, Frontside ein und hebt ab. 180, 360, 540, 720 und auch noch Lien gegrabt landet er zwei Sekunden später fest auf beiden Beinen. Der Jubel ist gross und wird umso grösser als Bernd meint „Des woar mei allererstes Gap, des i gsprunga bin!“ Zwei Locals, die zufällig vorbeikommen meinen mit offenen Mündern „seit Jahren wollen wir das Teil hitten und jetzt macht ihr es an zwei Tagen…“. Müde sind die Beine nach der langen Session, doch des Weibes Laster lockt, unser Busen-Gap. Der Grossteil unserer Truppe bricht beim Anblick der Distanz, die überflogen werden muss, die Zelte ab und verabschiedet sich in die Heia. Einzig der Vinz will sich nicht unterkriegen lassen. Nach dem 15ten Slam im In-Run hat die Stimmung jedoch den Tiefpunkt erreicht. Basti schafft es aber trotzdem mit seinen üblichen „Cover“ Sprüchen den Vinz wieder auf die Beine zu bringen. Rauf, anschnallen, kurz durchatmen und ab geht die Matz. Backside 720 Mute Grab, souverän gelandet. Der Knoten ist geplatzt und erlöst die Gemüter von den Strapazen. Wenn jede Woche so beginnen würde…

Burton Kids

Was passiert, wenn man drei junge Schweizer zusammen mit ihrem Teammanager, seines Zeichens ebenfalls Schweizer, in Deutschland frei rumlaufen lässt? Das MBM wollte dieser Frage auf die Spur gehen und lud sich zu diesem Zweck vier passende Versuchskaninchen auf die Monster Session.

Bereits beim ersten Besuch im Supermarkt stellt sich heraus, dass dieses Unterfangen amüsanter ausfallen könnte als gedacht. Noch manch chronischer Schwarzmaler deutscher Staatsangehörigkeit würde sich wundern, wie sich die helvetische Crew um Sina Candrian, Severin de Courten, Daniel Friberg und Burton Teammanager Cyrill Müller wie Schnitzel über die konsumentenfreundlichen Preise der Bundesrepublik freuen kann. Auch auf dem Weg von Oberstdorf zur Fellhornbahn findet die Hochstimmung kein Ende. Spot-Check im Motivationstaumel dreier Jungfüchse. Letztlich entscheiden sich die Schweizer für eine natürliche Halfpipe nahe der Strasse vis-à-vis von der Flugschanze, die per Halbtageswerk um eine kleine Hip erweitert wird. Aber gut Ding braucht Weile, und so soll auch dieses kleine Prachtexemplar noch etwas eisen, bevor es gehittet wird. Schliesslich gibt’s rund um Oberstdorf auch noch anderes zu erledigen. Um die Ecke wartet Pillow-Country darauf, entdeckt zu werden. Und so was lassen sich Sina und Dani natürlich nicht zwei Mal sagen. Während Cyrill einen Backside Air von Severin über einen Natural-Hit in den Kasten bringt, warten die beiden Bündner-Oberländer bis Fotograf Müller für ihre Frontside 180° to Kissenschlacht Zeit findet. Und diese vollbringt der Schweizer Nachwuchs, als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan. Der Orden des Tages geht jedoch an Severins Aussage auf Cyrills Bitte nach einem Laid-back Slushturn: „Ähm, sichur! Där miäsi nur na schnell leru…“ (walliserisch für „Klar doch! Den muss ich nur noch schnell lernen…“). Na dann, gute Nacht!
Der neue Tag bringt frischen Mut und eine harte Hip. Dass da Helvetiens Pipehoffnungen Sina Candrian und Daniel Friberg kaum noch zu bremsen sind, liegt wohl auf der Hand. Frontside Air folgt auf Frontside Air – höher, stylischer, progressiver. Und auch Severin, der zwar in der ganzen Saison noch keine richtige Halfpipe gefahren ist, beglückt Cyrills Objektiv mit First Try-Frontside Airs to Forrest Soil.

Projekt 2 an diesem Tag heisst Fluss-Quarter. Auf der rechten Seite der Strasse zwischen Oberstdorf und Fellhornbahn mitten im Flussbett angekommen, gehört der Dank der Natur und dem Langlaufloipen-Shaper für die gemeinsam geschaffene und extra fotogene Landschaft aus Schneeskulpturen. Handplants im Mini-Shred-Style, wo sich normalerweise Deutschlands Süsswasserfische „Gute Nacht“ sagen, stehen auf dem Programm von Younggun Daniel Friberg. Coverage bei solch einer Location macht heiss – und so juckt es auch Sina und Severin nach einigen Bonks am Eishügel neben der Mini-Quarter. Der Fluch des Fluss-Teufels holt die engagierte Truppe jedoch früher ein als gedacht. Severin verabschiedet sich ziemlich unsanft in den knietiefen Fluss hinter der Quarter, und garantiert sich damit den letzten Lacher der Allgäuer Sonne, bevor sich diese hinter die Bayrischen Gefilde zurückzieht. Man kann sie halt doch nicht alleine lassen, diese Eidgenossen… (eb)

MMP und da Vinz

Fotograf Basti hat schon eine halbe Kanne Kaffe intus, während Nicholas Wolken, Stephan „Mu“ Maurer und MMP-Filmer Humbi sich ans Frühstücksbuffet in „Sacha’s Kachelofen“ machen. Und wo bleibt mal wieder Vinz? Kurz bevor die Bedienung abräumt, taucht auch Herr Lüps auf. Die Nacht hat er im Auto verbracht, irgendwo am Strassenrand. Er war in Zürich, eine Freundin besuchen. Die deutsch-schweizerische Crew fährt Richtung Fellhorn-Bahn. Auf dem Programm steht – ja was eigentlich? Einen konkreten Plan gibt’s nicht. Auf dem Weg zur Bahn erhebt sich rechterhand die Oberstdorfer Flugschanze. „Komm wir ziehen ne Straight-Line den Landehang hinunter, wäre bestimmt ein lustiges Warm-Up“, schlägt Vinz vor. Ein Sessellift führt hoch zum Schanzentisch. Der Liftwart kassiert pro Mann 5,- Euro und lässt die Jungs ohne mit der Wimper zu zucken durchgehen. Oben begutachten die drei unauffällig die riesige Schanze. Unauffällig? Mit einem Snowboard unterm Arm?! Als Vinz seinen Fuss Richtung Auslauf erhebt, ertönt eine schrille Frauenstimme: „Halt! Komm sofort zurück!“ So laut, dass selbst der lange Vinz eingeschüchtert ist. Die Diskussion geht los: Wir sind hier in offizieller Mission, machen Werbung für euch, uns passiert schon nichts. Keine Chance, die Dame bleibt hart, zeigt sich aber immer offener für die Sache. Sie versucht ihren Chef anzurufen doch sie erreicht bloss den Anrufbeantworter. „Komm, wir droppen einfach.“ – „Ne, die ruft bestimmt die Bullen.“ – „Egal, bis die kommen, sind wir über alle Berge.“ – „Glaubst?“ Schliesslich fahren die drei enttäuscht links der Schanze den Wald runter.

Und wie geht’s weiter? „Die Schneestern Jungs haben im Fellhornpark extra einen Baum-Jibb aufgebaut, lass uns den shooten“, schlägt Basti vor. Kein leichtes Unterfangen: Eine ziemlich hohe und eisige Quarter. Der Baum liegt gefährlich weit hinter der Transition. Mu will dennoch mit der gesamten Base am Baum bonken. „Du musst dich nur stark genug abdrücken, dann kommst du schon wieder zurück in die Transition.“ Gesagt, getan und voll gebailt! Mu landet auf dem Coping und knallt ins Flat. Autsch! Nicholas geht vorsichtiger zu Werke, landet in der Trannie, aber ohne den Baum berührt zu haben. Vinz hat keinen Bock, er verzieht sich lieber mit MBM-Schreiberling Franco ins Backcountry, um Spots zu suchen. „Welcher Sextourist hat bloss diesen Mist gebaut!“, reklamiert Mu nach erneutem Bail. Der Jungspund hat seine eigene Art, sich zu motivieren, aber sie hilft! Er schiesst per Tailgrab hoch, bonkt „nur“ mit der Nose und landet smooth in der Transition. Endlich ist ein guter Shot im Kasten, freut sich Basti, der noch mehr will. „Hey Mu, mach doch mal einen Footplant.“ – „Footplant? Habe ich noch nie gemacht.“ Doch Mu stellt sich als wahres Footplant-Talent heraus (siehe Riding). Froh, nach Anfangsschwierigkeiten doch noch ein paar gute Shots erarbeitet zu haben, trifft die Crew am Parkplatz wieder auf Vinz und Franco. Und, was gefunden? „Ja, einen Roof-Drop und ne Pillow-Line. Dann haben wir uns verfahren und mussten ne Stunde durch sulzigen Tiefschnee laufen.“ Am Abend erreicht Basti endlich den Chef der Flugschanze. Macht nur, meint der, aber auf eigene Gefahr. Na also. Am Morgen nach der Abschluss-Party in der Oberstdorfer Hörbar stechen Mu, Vinz und Nicholas ziemlich verkatert in den First Track Hang… (ff)

Völkl Crew flys high

Auf dem Plan steht, zusammen mit der Völkl-Crew das Kleinwalsertal zu erforschen. Mit von der Partie: Teammanager Jens Anselstetter, die drei Youngguns Michi Stanschitz, Simon Schweiger und Visa Vertanen, sowie Fotograf Marcel Lämmerhirt und Film-Arbeitstier Clemens Becker. Dass an diesem Tag ein Lawinenabgang, zwei Helikoptereinsätze, inklusive Freiflug, und ein Polizeiverhör über uns hereinbrechen würden, damit hatte beim morgendlichen Aufbruch in Oberstdorf keiner gerechnet. Doch alles der Reihe nach. Der erste Spezialeinsatz des Tages lautet, die Völkl Kids am Fusse des Ifen über eine Horde Pillows zu scheuchen. Wie ein kleiner Drill-Sergeant dirigiert Marcel sehr effektiv jeden einzelnen per Megaphon über die besten Spots. Nachdem Backside-Airs, Tailgrabs und ein Pillow-Baumstumpf Transfer geknipst sind, zieht die Meute weiter zur Kanzelwand. Hier sollen noch schöne Lines zu finden sein, meinen Jens, Simon und Visa einstimmig. Doch kein Preis ohne Fleiss! Oben am Berg angekommen, müssen sie erst einen schmalen Trail an einem Hang überqueren, um an die angepeilten Startplätze zu kommen. Auf halbem Weg ist plötzlich ein kurzes, dumpfes Knacken zu hören. Im gleichen Augenblick löst sich ein Schneebrett, das Visa mit sich reisst und ihn mehrere hundert Meter über kantige Felsen spült. Mit offenen Mündern und wie versteinert starren alle Beteiligten auf das unwirkliche Szenario. Kurze Stille. Wo ist Visa?! Langsam taucht er aus dem Geröllfeld aus Sulzschnee auf und gibt uns zu verstehen, dass er bis auf ein paar Abschürfungen unverletzt ist. Der Finne hatte einen hochwachsamen Schutzengel mit an Bord, diese Geschichte hätte auch anders enden können! Hier bestätigte sich wieder einmal, dass die Berge unberechenbar und gefährlich sind, selbst für erfahrene Snowboarder. Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hat, trudelt plötzlich ein Bergwachthubschrauber am Ort des Geschehens ein. Die Herrschaften nehmen den Fall auf, und schwirren dann wieder Richtung Tal ab. Doch damit nicht genug, setzt ein weiterer Hubschrauber zur Landung an. An dessen Seite ist mit grossen Lettern „Polizei“ zu lesen. Die Beamten checken kurz die Lage und laden Visa, Jens und Simon freundlich zu einem „Freiflug“ ins Revier ein, um die drei Herrschaften getrennt voneinander zu befragen. Durch das Seitenfenster des Helis verabschiedet sich Jens noch mit einer Hang-Loose-Geste, bevor sie allesamt Richtung Tal abheben.

The Show must go on, und so nutzen die „Zurückgebliebenen“ die Zeit, um an einer alten Holzkappelle ein Stück unterhalb des Lawinenhanges ihr Glück zu versuchen. Nach gut einer Stunde schlagen die Freiflieger via Lift wieder am Hang auf und berichten von netten Polizisten, denen sie ausführlich erklärten, nicht das erste Mal am Berg zu sein. Lawinen Equipment hatten sie standardmässig dabei, ausserdem war der Hang ohnehin nicht gesperrt. Als Abschluss dieses abenteuerlichen Tages rattern die Verschlüsse noch an einer Lawinenverbauung und einem haushohen Baumstumpf, der mittels Kicker mehrfach gebonkt wird. Langsam verschwindet die Sonne und es ist Zeit ins Tal abzufahren. Alle blicken auf einen langen und actionreichen Freitag zurück, der glücklicherweise glimpflich verlaufen ist. Die dicke Rechnung flatterte ein paar Wochen in Visas Briefkasten. Absender: Bergwacht Oberstdorf-Kleinwalsertal. Inhalt: Eine nette Zahlungsaufforderung von schlappen 2800,- Euro für den Einsatz, der kein richtiger Einsatz war. (kh)

Den Freitag, der letzte Tag der Monster Session, besiegeln traditionsgemäss mit richtig viel Reggae-Hingabe die i-sHiNes. Wer in Oberstdorf aber nur einen Rückzugspunkt für betagte Rentner sieht, der sollte im wahrsten Sinne des Wortes unter der Oberfläche kratzen. Im Kellergeschoss des Kurzentrums siedelt die Bastion für jugendliche Ausgehkapriolen, die Hörbar. Dort bumst der Beat. Am Abschlussabend traf hier Dorfjugend auf Snowboard-Pros, respektive Hannes Metzler auf den Rest der Welt; daraus resultierende Nebenwirkungen inbegriffen. Die 8. Monster Session wird deswegen nicht nur wegen Hubschraubereinsätzen, Fleischwunden und Busen-Gaps in Erinnerung bleiben. Wir freuen uns auf nächstes Jahr!

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