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Special

Lubedence – Der Film

Eine Tür öffnet sich am Ende des Ganges, du trittst ein und stehst noch etwas schlaftrunken im Badezimmer. Die kalte Dusche weckt deine Lebensgeister. Frisch rasiert, mit sanften Wangen, zart wie ein Babypopo, holst du dir in der Küche die Pizza von gestern und Eiswürfel aus dem Kühlschrank. In deinem Geldbeutel klafft routinemässig ein schwarzes Loch, darum wird das vorabendliche Warm-Up mit Wodka zu Hause gestartet. Was jetzt noch fehlt ist ne Entspannungs-Ziggi, bevor du dein Laptop zuklappst und gespannt auf den TV-Bildschirm starrst. Just in diesem Moment endet das Intro des neuen Pirate-Streifen „Lubedence“ und die Piraten des weissen Goldes, beginnen Schnee und Metall mit ihren Bretten zu erobern.

Vorab
Wer die alten Pirate-Filme kennt, wird sich spätestens nach dem ersten Part fragen, ob das, was da über den Bildschirm flimmert, tatsächlich der neue Pirate-Streifen ist? Trotz des erneuten Griffes zum Wodka fahren dir die Bilder gestochen scharf in deine Synapsen ein. 16mm heisst die neue Wunderwaffe, mit der die Pirates ihr Filmspektakel in einem ganz neuen Licht erscheinen lassen. PMP steht für Pirate Movie Production und stand in vergangenen Tagen für Snowboard-Action auf 8mm Film. Doch die Tage, in denen die Piraten die Geister der Snowboard-Experten in zwei Lager teilten, sind vorbei. Ab dieser Saison wird es keine 8mm Fraktion mehr geben, welche durch die Eigenheit dieses speziellen Films die Kreativität von PMP anbetet. Die Kritiker, die PMP als Hobbyveranstaltung durch die mindere Qualität des Amateurfilms an den Pranger stellten, dürften ebenfalls ihre Segel einholen und der Vergangenheit angehören.

Der Style
Ein Pirate würde niemals sein Rumfass gegen eine Flasche farbloses Afri Cola eintauschen. Im übertragenen Sinne heisst das, PMP setzt weiterhin auf ihren Handmade-Style. Perfektionierte 3D Computeranimationen passen nicht zu den Piraten. Handarbeit steht an oberster Stelle. Für die Intros der Fahrer wurde dieses Jahr eigens der „Lubedence“ Club im berühmt, berüchtigten Nürnberger Rotlichtviertel eröffnet. Eine Woche lang tobten sich Fahrer, Filmer und die Locals aus der Umgebung im dreistöckigen Club mit Attitüde nach Lust und Laune aus. Die Tour im Club führt wie ein roter Faden durch die einzelnen Parts im Film.

Der Türsteher
Die Pirate-Crew hat den Club fest in ihrer Hand. Am Eingang steht Chris Sörman und entscheidet über Sein oder Nichtsein, rein oder doch wieder heimgehen. Der junge Schwede lässt einem durch seinen Eröffnungspart schnell mal ein „alter Schwede“ über die Lippen kommen. Chris feiert mit Lubedence sein Film-Debüt und lässt keine Zweifel daran, dass mit ihm ein neuer Stern am Snowboardhimmel geboren ist. Neben Switch Backside Rodeos und Rotationen in allen erdenklichen Variationen im Powder, widerlegt er die These, dass Skandinavier ein Leben lang brauchen, bis sie sich im Tiefschnee zurechtfinden. Letztes Frühjahr reiste der Pirate-Clan nach Schweden, um die letzten Aufnahmen in den 16mm-Kasten zu bekommen. Chris nutzte den Heimvorteil, nachdem er den ganzen Winter in den Alpen unterwegs war und stellt am Ende seines überragenden Parts einen so unverschämten 1260 in die Landung über den Mega-Booter in Åre, dass es einem schier die Löffel raushaut.

Die Garderobe
Ist der bestechliche Türsteher überwunden, will man erstmal die überflüssigen Klamotten loswerden. Jacke, Handtasche und Konsorten kann man dem vertrauensvollen Mone Monsberger an der Garderobe anvertrauen. Der begrüsst einen wie immer gut gelaunt und mit einem dicken Lachen und schmeisst erstmal, ganz nach Piratenmanier, einen Runde SchnÄps über den Garderobentresen. Während das Teufelszeug den Rachen runterbrennt, zeigt Mone was die bildliche Übersetzung für Snowboarden meint. Zwischen Pillows, Treeruns, rasend schnellen Powder-Lines und smoothen Kickern zeigt der Neuzugang Nummer zwei, was wir alle lieben: Snowboarden in seiner ganzen Vielfältigkeit.

Die Dart-Crew
Der Club füllt sich schnell aber sicher und das nächtliche Treiben nimmt seinen unvorhersehbaren Lauf. An der Dartscheibe vergnügen sich Andreas Moen, Dmitry Fesenko und Eirik Haugo. Dass die Jungs Snowboard- und keine Dart-Pros sind, wird schnell klar. Die drei sind von so unterschiedlicher Natur, ihr Shredden könnte das nicht besser unterstreichen. Andreas poppt sich aus den Kickern, als fliesse Spinat statt Blut durch seine Adern, und er lässt Comic-Star Popeye neben sich wie 500 Gramm Suppenfleisch aussehen. Der quirlige Dmitry bearbeitet wieder mit Vorliebe und seiner russischen Souveränität Metall und Beton. Das Trio rundet Eirik durch seinen massiven Double Backflip – letztes Jahr noch in „iRemember“ als Slam, diesmal perfekt in den Schnee gestellt – am Ende seines Parts ab und gibt nach der Landung die Luft wieder frei zum Atmen.

Disc-Jocki
Eine Party ohne DJ, ist wie Cola ohne Kohlensäure. DJ Jocki Köffler übernimmt das musikalische Zepter hinter den Turntables und heizt den Boys & Girls im „Lubedence“ mächtig ein. Der Innsbrucker ist nach einigen Verletzungen wieder zurück auf dem Parkett und überrascht und überzeugt in Lubedence mit seinem ausgefallenen Trick-Repertoire.

Delirium
Es ist ein ungeschriebenes Gesetz des ungebremsten, jugendlichen Tatendrangs. Alkoholexzesse, die keine Grenzen kennen. Danny Larsen und Jonte Edvardson haben ihre Grenzen schon weit hinter sich gelassen. Das Klo im Club wird zum Rockpalast der beiden schwedischen Freunde des Heavy Metals. Headbangend geht ihr Part in Schnee über, und die zwei Jungs rocken nicht nur die Toilette, sondern vor allem Rails, Kicker, Hausdächer bis hin zu Tunneln. Den einen springt Jonte mal schnell mit einem fetten Footplant runter, während Danny alles, was sich ihm in den Weg stellt, in Grund und Boden shreddet. Ihre Performance im Schnee und auf dem Lokus lässt Iron Maiden und Slayer wie Kindergeburtstag wirken. Prost!

Der Qualm
Für einen kurzen Moment lichtet sich der Rauch im Club und Gigi Rüf tritt in Erscheinung. Nach einigen Lines und Wechten, die Gigi mit seinem verspielten Riding signiert, ist sein Part leider auch schon wieder zu Ende. Gigi war letzten Winter primär mit Absinthe auf dem Berg und hatte kaum Zeit, zusammen mit seinen Piraten-Kollegen zu filmen. Wir hoffen und freuen uns auf Gigis Part im nächsten Jahr!

Die Tanzfläche
Aleksi Vanninen ist ein weiteres neues Gesicht an Bord der Pirate-Crew. Bei dem finnischen Ästhet tritt die Partygesellschaft demütig einen Schritt zurück, um ihm den nötigen Platz für seine Breakdance-Performance zu schaffen. Aleksi braucht kein Jo-Jo Gehabe oder aufgesetzte Starallüren um sich in Szene zu setzten. Der Finne fährt einfach nur Snowboard und das verdammt gut. Spätestens nach seinem Part sitzt man kopfnickend vor der Glotze und will unbedingt wieder in den Schnee und Snowboarden.

Die Bar
Die Haudegen Lukas Goller und Beckna haben gut Lachen hinter ihrem Tresen, da sie als Barkeeper sowieso alle Karten in der Hand haben. Entspannt rocken die beiden die Bar, und natürlich wie eh und je auch im Schnee. Wer auf in den Kniekehlen hängende Hosen steht und seit Wochen an seinem Oberlippenflaum arbeitet, sollte den Wodka lieber wieder zurück auf die Bar stellen, einen Mulitvitaminsaft bestellen und endlich checken, was Snowboarden ist. Der Spass steht im Mittelpunkt, komme was da wolle. Die beiden Powderjunkies lassen nicht nur die Kameralinse im Powder untergehen, sondern zwirbeln durch die Luft, als wären sie in Finnlands Jibparks aufgewachsen.

Undankbarer Job
Wer hat schon Spass daran, sich zwischen schwitzenden, tanzenden Körpern durchzuzwängen, um die halb geleerten Drinks der Partymeute aufzusammeln. Hannes Metzler ist sichtlich gelangweilt von seinem Job und kümmert sich lieber um das weibliche Geschlecht, als ums Leergut. Wenigstens ein Mädel zeigt Mitleid mit dem guten Hannes. Bevor er sich die Augen verbrennen kann, schüttet sie dem armen Jung kurzerhand ihren Drink in die Visage. Damit Hannes nicht komplett sein Selbstbewusstsein verliert, baut er sich mit einer harten Rail-Section und Tricks wie Switch Backside 9 und Frontside 7 Tail First Track im Powder wieder auf. Spätestens am Ende seines Parts, und ein trockenes T-Shirt später, dürfte sein Selbstbewusstsein wieder voll und ganz zurückgekehrt sein. Vielleicht kann sich ja die Ein- oder Andere auf einer der vielen Lubedence-Premiere persönlich von Hannes’ zurück gewonnenem Selbstbewusstsein überzeugen…

Das Hinterzimmer
Es gibt sie doch, die versteckten Hinterzimmer der Clubs. An diesem Abend haben zwei sie gefunden. Martin Sandberg und Björn Hartweger sitzen in der verrauchten Dunkelkammer und lassen in lässig gekonnter Pokermanier die Karten und Spielchips über den Tisch wandern. Die beiden zocken sich nicht nur im Hinterzimmer ab, sondern geben auch alles im Schnee. Die Schneekatze Björn knallt geradewegs an einen Baumstamm anstatt vorbei, aber hey, eine Katze landet immer auf den Beinen. So auch Björn, der nach einem gekonnten Backside 180 im hüfttiefen Powder von Japan landet. Martin hat nicht nur unzählige Zockermoves auf dem Kasten, sonder gibt alles in seinem Video-Debüt, welches er mit einem satten Inverted Cab 900 graziös beendet.

Der Rauswurf
Einer muss immer aus der Reihe tanzen, pöbelt alles an, was ihm in die Quere kommt. Egal ob die knutschenden Mädels oder den Disc-Jocki. Aber auf dem Board ist er wohl vor sich selbst aus der Reihe getanzt. Er beendet die Pirate-Party mit einem Part, mit dem keiner gerechnet hat. Der Typ spielt sich mit dem Gelände. Egal ob Pillows mit zahlreichen Hindernissen in der Landung oder jegliche Neuner, adrett in den Tiefschnee gestellt, der Bursche weiss was er kann. Und am Ende semmelt er noch schnell einen unerreichbar perfekten Backside 1080 über den legendären Pirate-Booter in der Silvretta Nova. Bumm! Dieser Part ist definitiv der Höhepunkt seiner bisherigen Pro-Karriere. Als Dank tauscht Hannes seinen leeren Bierkasten gegen den Disco-Hooligan ein, schleift ihn Richtung Ausgang und befördert ihn per Arschtritt nach Hause. Genug ist Genug Marco Feichtner!

Das Fazit
Lubedence ist nicht nur ein Hotel in Japan, nach dem die Piraten ihren neuesten Flick benannt haben, sondern vor allem ein Snowboard-Movie, der Lust auf Winter macht. Blutende Ohren sind ausgeschlossen, da sich der Sound des Filmes durch die unterschiedlichsten Musikstile zieht. Wer sich jetzt noch nicht sicher ist, ob er „Lubedence“ plus Buch im Shop holen soll, sollte sich nach dem Durchblättern dieser Ausgabe „Boardbagged“, die beigelegte Reisedokumentation der Pirates reinziehen. Danach dürfte alles klar sein!

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