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Interviews

Mike Basich

Mike Basich ist ein Unikat, wie es im Buche steht. Seit er sich 1985 das erste Mal ein Snowboard unter die Füsse schnallte, er lebte er jede Entwicklung unseres Sports mit oder war selbst aktiv daran beteiligt.

Mike startete seine Karriere mit Contests, wie seine Teilnahmen an den ersten fünf Air&Style bestätigen. Neben seinen unzähligen Filmauftritten gründete er 1991 das Outerwear-Label 241. Mike begann, Jahr für Jahr nach Alaska zu pilgern, und entwickelte sich zum Big Mountain Rider. Der heute 36-Jährige sprang, wie die meisten wissen, aus 36 Metern Höhe aus einem Helikopter. Er besitzt ein Lagerhaus, in dem er sich als Daniel Düsentrieb versucht, und erschuf sich sein eigenes Winter Wonder Land. Da sich Mike während des Snowboardens überwiegend selbst porträtiert, war es an der Zeit für seinen „Blickwinkel“.

Mike, in gewisser Hinsicht muss ja jeder Snowboarder irgendwo ein Selbstdarsteller sein. Aber hast du das mit deinen Fotos nicht etwas zu ernst genommen?
[lacht] Ich hoffe, nicht. Ich habe es mit Fotografen nur selten hinbekommen, genau das auf ein Foto zu bekommen, was ich zeigen wollte und wie ich es aus meinem Blickwinkel als Snowboarder gesehen habe. Weil es aber Fotografen nicht mögen, wenn der Fahrer ihnen Vor schriften macht, musste ich einen Weg finden, um den „Zwischenhändler“ auszuschalten.

Wie und wann kamst du auf die Idee für dein erstes Foto?
Ich hatte keinen Boardsponsor und Snowboarden entwickelte sich vor etwa zehn Jahren in eine andere Richtung als ich. Damals waren 90 Prozent der gedruckten Bilder Handrail-Shots, mein Fokus lag im Powder. Da wollte ich mir selbst beweisen, dass ich es noch in ein Mag schaffe, und dachte mir, wenn ich schon Rails fahre, dann auf meine Weise und auch mit einem selbst gebauten Rail. Das erste Foto war das Einzige, das ich wirklich über längere Zeit geplant hatte. Ich habe über 600 Dollar für die Kamera und den Fernauslöser ausgegeben, hatte aber keine Ahnung von dem Zeug und habe fast fünf Wochen gebraucht, um den Shot in den Kasten zu bekommen. Da ich eine ganz bestimmte Lichtstimmung haben wollte, belud ich den Van mit Schnee, bin in die Wüste und habe das Rail aufgebaut. Das Ganze habe ich viermal gemacht, bis es endlich aussah, wie ich es mir vorgestellt hatte. Da rauf folgte ein Foto auf einem Rainbow Rail. Ich war aber der Meinung, dass diese Bilder nicht genügend honoriert würden, also war es mir fortan egal, ob mein Kamera-Equipment kaputtging. Ich habe Dinge gemacht, die „normale“ Fotografen sich und ihrem Equipment niemals antun würden wie zum Beispiel Zehnmeter-Cliffdrops, mit Kamera. So konnte ich endlich meinen Blickwinkel, den eines Snowboarders, darstellen.

Den kompletten Film “Open Source – The untold stories of Mike Basich” gibt’s jetzt auf www.241-usa.com.

Das bekannteste deiner Selbstporträts ist der Heli-Drop. Wie bist du auf die Idee gekommen?
Wer genau wissen will, was hinter dem Bild steckt, sollte sich meinen Film anschauen, der im November auf meiner Website www.241-usa.com erscheint. Da ich eigentlich wollte, dass das Bild ohne Heli gedruckt wird, es aber niemand wirklich gemacht hat, wusste ich anfangs nicht, wie ich damit umgehen sollte. Ich wollte ein Bild, auf dem ich scheinbar aus dem Nichts falle ohne Cliffs im Hintergrund. Viele Leute haben danach einfach nur einen Haken hinter den Heli-Drop gemacht und gesagt: „Okay, jetzt ist das auch gemacht!“ Meine Intention war aber, dass ich ein kreatives Foto machen wollte und nicht nur einen Haken hinter einen bestimmten Trick.

Du hast bereits deinen Film erwähnt, der „Open Space – The Untold Story of Mike Basich“ heissen wird. Welche bisher nicht erzählten Geschichten können wir erwarten?
Der Titel „Open Space“ rührt daher, dass ich mein ganzes Leben mit Snowboarden nach zu erobernden Freiräumen gesucht habe. Im Film wird einiges über die Zeit vor dem Snowboarden erzählt. Als Kind und Jugendlicher musste ich mit einigen Problemen umzugehen lernen. Mit dem Film will ich zeigen, wie mir das Snowboarden geholfen hat und was es mir immer noch gibt. Viele Aufnahmen stammen auch von Standard und Blank Paper Films. Ausserdem handelt ein grosser Teil davon, wie ich meine Hütte gebaut habe.

Besagte Hütte bzw. dieses Hobbit-Haus steht auf deinem Grundstück, der „Area 241“, das du als Testlabor für deine eigene Outerwear bezeichnest. Ist das mit dem Testlabor nur eine Ausrede, wenn Leute dich fragen, warum du ein Stück Land in der Mitte vom Nirgendwo gekauft hast, oder musst du ab und zu einfach mal allein sein?
Es geht mir nicht ums Alleinsein. Es war ein Kindheitstraum, ein Haus mit eigenen Händen zu bauen. Ich habe eine Ewigkeit damit verbracht, dem Schnee hinterherzujagen, so dass ich meine Art von Snowboarden ohne Regeln ausleben konnte. Jetzt habe ich meinen eigenen Platz, wo ich alles machen kann, indem ich einfach aus der Haustür trete und mitten in der Natur stehe.

Fühlst du dich nicht manchmal einsam dort, wenn dein Hund Summit dein einziger Gesprächspartner ist?
Das Lustige ist, dass ich in der Hütte mehr Besuch bekomme als überall, wo ich vorher gelebt habe. Ausserdem ist es gar nicht so weit draussen, wie alle denken. Mit Snowmobil und Auto ist man in 20 Minuten in Truckee; ausser es herrscht gerade ein Schneesturm, dann kann es auch fünf Stunden dauern. Die Hütte ist eines der Dinge, in die ich einbringen konnte, woran ich glaube und was mir wichtig ist. Ich wünsche mir, dass Leute, die hierher kommen, eine Inspiration für sich mitnehmen können.

Du wirst jetzt aber nicht ein Hobbit-Dorf à la „Herr der Ringe“-Auenland für Besucher bauen?
[lacht] Nein, im Moment bin ich mehr als glücklich mit dem, was ich habe. Aber ich bin ein Projekt-Freak und habe allerhand Ideen, die irgendwann verwirklicht werden wollen.

Eines deiner Projekte ist deine Firma 241, die du schon 1991 gegründet hast. Erzähl uns von der Idee, die dahinter steckt.
Ich wollte etwas Eigenes entwerfen und habe gelernt, wie man Siebdrucke macht. Also habe ich T-Shirts bedruckt und zwei für den Preis von einem verkauft. Dazu habe ich Hosen entworfen, die von beiden Seiten getragen werden konnten. So entstand der Name: 241.

In Japan sollen die Sachen ein Renner sein, aber in den USA startest du jetzt eine Art Relaunch.
Ja, auf dem japanischen Markt ist es fast ein Selbstläufer geworden, da die Leute dort einen verdammt guten Job machen. Hier habe ich den Stuff zwar schon Anfang der 90er verkauft, ich bin dann aber mehr unterwegs gewesen, so dass ich nicht sehr viel Zeit dafür hatte. In den letzten vier, fünf Jahren hat die Nachfrage wieder extrem zugenommen, so dass ich jetzt auch wieder mehr Energie hineinstecke.

Wann wird 241 denn in Europa ankommen?
Das kann ich nicht sagen. Es hängt davon ab, wann ich dazu bereit bin, mehr hinter dem Schreibtisch zu sitzen. Durch meine Arbeit mit Sponsoren und Firmen über all die Jahre habe ich gelernt, dass Investoren kleinen Firmen meistens eher schaden, als dass sie wirklich nützlich wären. Also versuche ich, die Aufgabe allein zu meistern. Um einen weltweiten Vertrieb auf die Beine zu stellen, braucht man doch eine ganz Menge Zeit und vor allem auch das nötige Kleingeld. Dafür gefällt mir im Moment aber einfach mein Lebensstil zu gut, um mich diesem Stress auszusetzen.

Ganz nach dem Motto „klein, aber fein und mein“?
Genau, ich möchte nicht die Kontrolle verlieren, so dass 241 auch wirklich das verkörpert, was ich will. Wenn ihr etwas von mir bestellt, habe ich das Paket sogar selbst gepackt.

Woher nimmst du eigentlich die Motivation für deine vielen Projekte?
Es hat mich schon immer fasziniert, Dinge zu tun, von denen ich vorher keine Ahnung hatte. So lerne ich sehr viel über mich selbst. Ich will nicht einfach nur etwas nachahmen, sondern will meine eigenen Erfahrungen machen. Das Spannendste ist ein Entstehungsprozess, bei dem man seine Vorstellungen umsetzen und so etwas über sich selbst erfahren kann. Beim Bau meiner Hütte zum Beispiel habe ich nur eine Zeichnung vorher angefertigt und einfach geschaut, wie es sich beim Bau dann entwickelte.

Hast du auch schon etwas über dich herausgefunden, was dir Angst gemacht hat?
Nicht wirklich Angst, aber während meines Filmprojekts habe ich zum ersten Mal wirklich auf meine Vergangenheit zurückgeblickt und hatte das komische Gefühl, dass ich manche Dinge in Bild und Ton nicht so rüberbringen kann, wie ich sie damals empfunden habe.

Stimmt es, dass du für die Realisierung dieses Films deinen Van, den man aus „91 Words for Snow“ kennt, verkauft hast?
Ja, der Hauptgrund für den Verkauf war tatsächlich die Finanzierung des Films. Aber weil ich nun die „Area 241“ besitze, habe ich den Van in den letzten Jahren eh nicht mehr viel genutzt. Ich fange schon bald an, ein neues Fahrzeug zu bauen.

Ausserdem tüftelst du an einem Elektroauto. Welche James-Bond-Gadgets können wir denn vom Q des Snowboardens als Nächstes erwarten?
All meine Projekte sind Dinge, die ich im täglichen Leben gebrauche. Ich hoffe, ein besseres Verständnis dafür zu bekommen, was ich benutze, indem ich es selber baue. Meine Boards sind aus Holz von meinem Grundstück. So lernt man, Dinge mehr zu schätzen. Das neue Fahrzeug, das ich mir in den nächsten zwei bis drei Monaten bauen werde, wird ein Transformers-Auto!

Du scheinst ein echter Tausendsassa zu sein!
Das kann man so sagen. Aber ich achte bei meinen Projekten schon mehr auf Qualität als auf Quantität. Ich will meine Energien nur noch für Dinge verwenden, die wirklich Sinn machen. Ausserdem will ich mit meinem Film und meinen Bildern zeigen, dass hinter einem Snowboarder mehr steckt als der Typ, der ein Cliff droppt oder einen Kicker springt. Auf meiner Homepage habe ich Videos, in denen ich zeige, wie man selbst ein Splitboard oder Schneeschuhe für unter zehn Dollar bauen kann. So will ich den Kids mit auf den Weg geben, dass man nicht die teuersten Klamotten braucht oder immer ein teures Liftticket kaufen muss, um seiner Leidenschaft nachzugehen.

Siehst du die Entwicklung des Snowboardens so, dass der Style der Klamotten mittlerweile mehr zählt als der des Fahrens?
Es gibt kaum einen Sport, der so schnell wächst. Heutzutage sind viel mehr Leute und Faktoren darin involviert. Damals Anfang der 90er haben wir gemacht, was wir wollten, und man hat uns einfach nur gehasst dafür. Heute haben die Fahrer Trainingsprogramme! Contests sind zwar ein grosser Teil, aber bestimmt nicht das Wichtigste. Auf dem Berg geht es mittlerweile zu wie in der High School: Es zählt nur noch, was für Klamotten man trägt, mit wem man abhängt und was die Leute über einen denken. Lasst euch aber sagen: Das ist absolut nicht wichtig! Wichtig ist nur, dass man selbst das Beste aus dem Snowboarden herausholt und seine Leidenschaft auslebt.

Das wäre jetzt ein guter Schlusssatz – oder brennt dir noch etwas unter
den Nägeln?

Ja: Wenn die beiden Typen aus München, die im letzten Winter 241-Stuff von meiner Website bestellt haben, das hier lesen: Ihr schuldet mir immer noch Geld. Nur weil ihr nicht bezahlt habt, hatte ich eine Woche nichts zu essen!

Schick uns doch einfach die Adresse und wir werden ihnen mit der MBM-Crew mal einen Besuch abstatten… Wenn wir die Schulden eingetrieben haben, melden wir uns bei dir. Bis dahin schon einmal vielen Dank für deine Zeit und das Interview!

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