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Interviews

Mark Landvik

Mark. Alleine. Seit gut 20 Stunden. Irgendwo zwischen Alaska und Washington State. An der letzten Tankstelle hat er sich eine halbe Faschingstruhe voll Verkleidungskleinkram gekauft. Unaufhörlich verwandelt er sich nun vom russischen Zaren zum amerikanischen Wrestler zum italienischen Gigolo, verzieht das Gesicht zu Grimassen, gibt skurrile Töne von sich, headbangt zum Hardrock aus den Boxen.

Er tut das, was vielleicht auch andere täten, sässen sie 20 Stunden alleine am Steuer auf einem gottverlassenen Highway. Man könnte Mark dafür einen gehörigen Sprung in der Schüssel attestieren oder einfach eine gesunde Portion Selbstironie. Fragt man ihn danach, dann meint er schmunzelnd, dass wir doch alle irgendwie verrückt seien. Und dann fängt er an zu erzählen. Über Begegnungen mit Bären, über Ausschreitungen mit der Polizei in Alaska oder eben über einsame Stunden im Auto, in denen er sich selbst dabei filmt, wie er langsam vor Langeweile abdreht. Nicht weil das alles verrückt wäre, sondern weil es zu seinem Leben gehört. Mark ist verwurzelt in Alaska, im Backcountry des Planeten zu hause. Im letzten Herbst wurde er 30. Das ist aber Noch lange kein Grund, diesen Winter nicht ganze drei Videoparts abzuliefern. Ob das nun verrückt ist oder nicht, hier gibt’s Marks Sicht der Dinge im Interview.

Zweifellos klingt es, als hättet ihr einen Weg gefunden, das einzig wahre Snowboarden zu leben. Was hältst du von dem Mainstream, in dessen Richtung sich Snowboarden immer mehr bewegt?
Nicht allzu viel. Ehrlich gesagt ist es ein Aspekt, den ich am Snowboarden nie begreifen werde. Skateboarden hat es irgendwie geschafft, seine Seele zu bewahren, egal wie viele Kids da draussen Skateboard fahren, egal was für ein grosser Fisch Tony Hawk ist. Snowboarden verkauft demgegenüber ein paar Bretter zu viel, macht seine Stars zu Celebritys und verkauft seine Seele. Ich denke, es hängt irgendwie damit zusammen, wie die beiden Industrien ticken. Die Snowboard-Industrie stellt ihre Fahrer beispielsweise sofort vor die Tür, sobald sie ein gewisses Alter erreicht haben. Im Skateboarden würde so etwas nie passieren, da bleiben die Firmen an ihren Fahrern dran, sie bleiben ihnen treu, egal wie alt sie sind. In der Snowboard-Industrie sitzen offensichtlich zu viele Idioten, die keine Ahnung von dem Sport haben und nicht wissen, wie viel der Sport gewissen Namen zu verdanken hat. Wie kann ein Sport seine Seele bewahren, wenn er diejenigen, die diese Seele ausmachen, am laufenden Band auswechselt? Wir dürfen die, die unseren Sport geprägt haben, nicht einfach vergessen!

Dir sind deine Sponsoren schon seit einiger Zeit treu.
Ich habe da echt Glück. Egal ob Volcom, Lib Tech oder Vans, sie alle stehen hinter ihren Zugpferden. Bestes Beispiel dafür sind die Kollektionen, die alle drei Marken mit Grössen wie zum Beispiel Jamie Lynn oder Bryan Iguchi auf den Weg bringen. Ich wünschte mir, dass die gesamte Snowboard-Industrie den Köpfen länger treu bleiben würde, die einst alles für den Sport gegeben haben!

Die Olympischen Spiele setzen heuer erneut unglaublich hohe Massstäbe in der Halfpipe. Wie denkst du als Fahrer, der das Backcountry den Parks und Contests stets vorgezogen hat, über diese fast schon explosive Entwicklung?
Es macht mir Angst. Ich meine, schau dir die Jungs an: Snowboarden schaut manchmal fast schon aus wie Ski-Akrobatik. Ich habe nichts dagegen, wenn sie den Level pushen wollen. Für mich ist es bloss schwer nachvollziehbar, weil mir eine fette Line einfach mehr gibt. Jedem das seine; was die Contest-Kids dabei nur nicht vergessen sollten, ist, dass Snowboarden sich einst vom Skifahren abhob, weil es stylisher war. Wenn sie den Level also schon ins Unermessliche pushen, dann bitte mit Style! Doch mehr Spins und mehr Flips gehen halt einfach oft auf die Kosten des Style. Wenn ich mir überlege, dass es in ein paar Jahren vielleicht keine Rolle mehr spielt, ob wir unsere Boards grabben oder nicht, dann wird mir speiübel.

Du hattest vor zwei Saisons einen Part in Standards „Aesthetica“ und einen in Brain Farms „That’s It That’s All“. Dieses Jahr arbeitest du gar an drei Projekten! Waren dir zwei noch nicht genug?
Eigentlich dachte ich immer, zwei Parts in einem Winter wären schon unmöglich zu schaffen, und jetzt habe ich plötzlich drei Projekte in Planung. Verrückt, nicht? Wer weiss, vielleicht bin ich am Ende der Saison ausgebrannt, aber ich denke, alle drei Projekte sind den Stress wert! Konkret spreche ich vom neuen Movie von Standard Films, dem neuen Projekt von Travis Rice, also von Brain Farm, und von Gigi Rüfs Projekt mit Volcom.

Eigentlich eine recht untypische Strategie. Jeder andere würde sich wohl eher auf ein Projekt konzentrieren, um am Ende mit einem Banger-Videopart brillieren zu können.
Ich habe mir das auch überlegt. Mein Ziel für diese Saison ist es auf jeden Fall, etwas fettes abzuliefern. Gleichzeitig möchte ich aber auf keines der Projekte verzichten. Ich bin seit Jahren bei Standard Films dabei, sie sind meine Familie. Mit Travis und Gigi filmen zu dürfen erachte ich als Privileg. Ehrlich gesagt möchte ich einfach mit all den Jungs abhängen, deswegen all die Projekte.

Ein schlechter Neinsager also.
Wahrscheinlich. Manchmal verspüre ich tatsächlich den Drang, immer und überall dabei sein zu müssen. Was soll’s, mein Körper schaffte die zwei Projekte, irgendwie wird er auch die drei packen. Und für Travis’ Projekt habe ich ja schliesslich mehr als eine Saison Zeit.

Apropos Travis: Wie ist er so als Boss?
Als Boss?! Geht’s noch?! Er ist mein Kumpel, von ihm lasse ich mir nichts befehlen! [lacht] Er ist ein guter Kumpel, vielleicht der beste. Ich glaube, uns verbindet viel wegen unserer Herkunft. Alaska und Wyoming sind ähnliche Flecken, sie prägen ihre Kinder. Travis und ich pushen uns gegenseitig, lernen voneinander und bringen das Snowboarden des anderen voran. Ich schätze es sehr, mit ihm shredden zu dürfen.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Hast du eigentlich ein Alkoholproblem?
[lacht] Wie kommst du denn jetzt darauf?

Ein guter Freund von dir hat mir das verklickert.
Wie bitte? So ein Schwein! [lacht] Haben wir nicht alle irgendwo ein Alkoholproblem? Ich meine, entweder hast du Spass mit deinen Problemen oder nicht… [lacht] Ernsthaft, bevor ich mir nochmals so etwas vorwerfen lassen muss, soll hier gesagt sein, dass ich natürlich kein Problem mit dem Alkohol habe. Aber ich sage definitiv nicht nein zu einer guten Zeit mit meinen Freunden. Ein Alkoholproblem… pah, das soll wohl ein Witz sein! Bei allem Spass, der Alkohol uns bereiten kann, die Abhängigkeit könnte wohl jeden treffen. Haltet euch selbst unter Kontrolle.

Gut, dann wäre das ja nun auch geklärt. Danke für das Interview, Mark! Das ganze Interview mit Mark Landvik findet ihr im snowboarder MBM, Ausgabe 151 März 2010.

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